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Projekt Stolpersteine: Verlegeorte der Stolpersteine in Bamberg

Verlegeorte der Stolpersteine in Bamberg

Nota bene

Die Willy-Aron-Gesellschaft hat die folgenden Angaben nach besten Wissen und Gewissen sowie nach sorgfältiger Suche in seriösen Quellen zusammengestellt. In einigen Fällen ist eine genaue Verfolgung des Lebensweges eines Nazi-Opfers infolge der oftmals widersprüchlichen Quellenlage schwierig oder gar unmöglich. Wir haben uns dann für die kompetenter scheinende Quelle entschieden.
Sollten Ihnen dennoch Unstimmigkeiten oder Falschangaben auffallen, bitten wir Sie, uns zu kontaktieren, damit wir diese korrigieren können. Wir freuen uns über jede Hilfe, die dazu dient, die Opfer der schrecklichen Dritte-Reich-Diktatur dem Vergessen zu entreißen.

Ihre Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e.V.




Austraße 14:

Stolpersteine zur Erinnerung an Wilhelm Hess, seine Gattin Elsa Hess sowie den Sohn Arthur Hess.

Wilhelm Hess wurde am 12.07.1881 in Bischberg geboren. Seit 1908 war er mit der am 04.08.1881 in Kleinlangheim geborenen Elsa Leopold verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Söhne: den 1910 in seinem ersten Lebensjahr verstorbenen Justin Hess sowie den am 05.05.1911 in Bamberg geborenen Arthur Hess.

Wilhelm Hess war im März 1907 aus Bischberg nach Bamberg zugezogen. Seitdem war er Teilhaber der Öl- und Farbenhandlung „Hess & Naumann“, die bis 1933 bestand. Mit seinem Sohn gründete er eine Nachfolgefirma unter dem Namen „Arthur Hess“.

In der Folge des Novemberpogroms waren Wilhelm und Arthur Hess vom 10.11.1938 bis zum 24.12.1938 in Dachau inhaftiert. Arthur Hess besuchte zur Vorbereitung einer geplanten Auswanderung von November 1939 bis Januar 1940 ein Umschulungslager in Paderborn. Ab Mai 1940 wurde er bis zu seinem Transport in die Vernichtung dem Tiefbauamt der Stadt Bamberg als Zwangsarbeiter zugewiesen.

Wilhelm, Elsa und Arthur Hess wurden am 27.11.1941 aus Bamberg nach Riga deportiert. Ihr letzter bekannter Aufenthaltsort war ab 03.12.1941 das Lager Riga-Jungfernhof. Das weitere Schicksal und die Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, Opfer des nationalsozialistischen Terrors 1933-1945, Herausgegeben vom Verein zur Förderung der jüdischen Geschichte und Kultur Bambergs e. V., Antje Yael Deusel, Ortwin Beisbart und Franz Fichtl, Bamberg ²2010, S. 166-168)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / WILHELM HESS / JG. 1881 / DEPORTIERT 1941 / RIGA / ERMORDET

Sponsor: Alexander Feser

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / ELSA HESS / GEB. LEOPOLD / JG. 1881 / DEPORTIERT 1941 / RIGA / ERMORDET

Sponsor: Sponsorengemeinschaft Austraße 14 (MusicLand, Carlo Herrmann)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / ARTHUR HESS / JG. 1911 / DEPORTIERT 1941 / RIGA / ERMORDET

Sponsor: Spendensammlung Austraßenfest 2010 (MusicLand, Carlo Herrmann)

Patenschaft übernommen von: Andrea Stickler / Maria-Ward-Realschule Bamberg



Erlichstraße 52:

Stolperstein zur Erinnerung an Hans Schütz.

Hans Schütz wurde am 05.04.1895 in Burgebrach geboren. Er war Mitglied der SPD und Fahnenträger der Sektion Wunderburg des „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“. Hans Schütz wurde am 23.06.1934 vom Nationalsozialisten Ludwig Heintz erstochen. Er hinterließ eine Witwe und zwei unmündige Kinder. Sein Mörder Ludwig Heintz wurde zu neun Monaten Haft verurteilt.

(Literatur: Oskar Krause, Die Bamberger SPD, 1869-1984, Bamberg 1985, S.70f.)

Text auf dem Stolperstein:

HANS SCHÜTZ / JG. 1895 / ERSTOCHEN VON SA / 23.6.1934 / IN BAMBERG

Sponsor: SPD Ortsverein Bamberg-Mitte (Oskar Krause)

Patenschaft übernommen von: Christian Berkenkamp



Eckbertstraße 41:

Stolperstein zur Erinnerung an Elsbeth Neisser.

Elsbeth Silberstein wurde am 12.10.1867 im heutigen Wałbrzych/Polen geboren. Sie war seit 1891 mit dem Justizrat Dr. jur. Gustav Neisser verheiratet gewesen. Die Familie Neisser war evangelischer Glaubenszugehörigkeit. Die 1918 verwitwete Elsbeth Neisser war Anfang März 1934 aus Breslau nach Bamberg zugezogen. Ein eifriger Bürokrat vermerkte auf der Familienkarte des Einwohnermeldeamtes Bamberg: „Frau Judin, lt. Mitteilung des Pol. Präsidiums Breslaus v. 29. März 1934“.

Elsbeth Neisser wurde, obwohl evangelischen Glaubens, von der NS-Gesetzgebung zur „Jüdin“ erklärt und am 09.09.1942 aus Bamberg nach Theresienstadt deportiert. Sie kam dort am 19.09.1942 um.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S. 276)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / ELSBETH NEISSER / GEB. SILBERSTEIN / JG. 1867 / DEPORTIERT 1942 / THERESIENSTADT / ERMORDET 19.9.1942

Sponsor: Franz Fichtl

Patenschaft übernommen von: Hans Hübner


Franz-Ludwig-Straße 15:

Stolperstein zur Erinnerung an Dr. med. Selma Graf.

Selma Reichhold wurde am 11.06.1887 in Nürnberg geboren. Sie war seit 1913 mit dem katholischen Apotheker Konrad Graf verheiratet. Vor ihrer kirchlichen Trauung war sie zur katholischen Kirche übergetreten; nach NS-Auffassung und -Gesetzgebung wurde sie als Jüdin eingestuft.

Selma Graf studierte in Erlangen Medizin. Sie war eine der ersten Frauen, die in Deutschland im Fach Medizin promovierten. Seit 1914 praktizierte sie als Frauen- und Kinderärztin in Bamberg. Wegen des vorgeblichen Verbrechens der Abtreibung wurde sie verhaftet und in das Landgerichtsgefängnis eingeliefert. Nach einem Prozess wurde sie zu sieben Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt und am 23.11.1939 aus Bamberg in das Zuchthaus Aichach verbracht.

Dr. Selma Graf wurde Anfang Dezember 1942 von dort nach Auschwitz deportiert, wo sie angeblich am 31.12.1942 an Grippe verstarb.

Selma Grafs Mutter Klothilde Reichold wurde am 10.09.1942 aus Nürnberg nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 12.01.1943 umkam. Ihr Ehemann Konrad Graf überlebte die NS-Zeit in Bamberg und zog nach dem Krieg nach München.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.138f.)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / DR. SELMA GRAF / GEB. REICHHOLD / JG. 1887 / VERHAFTET JULI 1938 / ZUCHTHAUS AICHACH / ERMORDET 31.12.1942 / AUSCHWITZ

Sponsor: Soroptimistinnen International (Dr. Karin Dengler-Schreiber)

Patenschaft übernommen von: Wolfgang Jans



Franz-Ludwig-Straße 26:

Stolpersteine zur Erinnerung an Leopold Hessberg, seine Gattin Emma Hessberg sowie den SohnMax Hessberg.

Leopold Hessberg wurde am 27.10.1874 in Bamberg geboren. Seit 1902 war er mir der am 03.08.1878 in Nürnberg geborenen Emma Rothbarth (in der Literatur wurde Frau Rothbarth lange Zeit als „Rotbarsch“ bezeichnet; erst neueste Forschungen haben ergeben, dass ihr Geburtsname tatsächlich Rothbarth war) verheiratet. Das Ehepaar hatte einen Sohn: den am 01.10.1903 in Bamberg geborenen Max Hessberg.

Leopold Hessberg war zusammen mit seinem Bruder Josef Hessberg Inhaber der seit 1903 bestehenden Bamberger Hopfenhandlung „Gebr. Hessberg“, die Ende 1938 durch Handelsverbot erlosch. In der Kriegszeit wurde er bis zu seinem Transport in die Vernichtung der Firma „Josef Lorenz, Metall- und Lederwarenfabrik“ als Zwangsarbeiter zugewiesen.

Leopold und Emma Hessberg wurden am 27.11.1941 aus Bamberg nach Riga deportiert. Ihr letzter bekannter Aufenthaltsort war ab 03.12.1941 das Lager Riga-Jungfernhof. Das weitere Schicksal und die Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt.

Max Hessberg zog am 24.05.1922 nach Eisenach/Thüringen. Von 1928 bis 1935 war er auf der Kultussteuerliste der Jüdischen Gemeinde Hamburg registriert. Er war jedoch bereits am 05. 01. 1931 nach Berlin verzogen. Von dort flüchtete er zu einem nicht bekannten Zeitpunkt nach Frankreich. Max Hessberg war zuletzt im Lager Septfonds (Südfrankreich) interniert und wurde am 06.03.1943 über Drancy (Frankreich) nach Majdanek deportiert. Der Tag seiner Ermordung wird mit dem 23.12.1943 angegeben.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.173-175)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / LEOPOLD HESSBERG / JG. 1874 / DEPORTIERT 1942 / RIGA / FÜR TOT ERKLÄRT

Sponsor: Bürgerverein Bamberg Mitte (Sabine Sauer)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / EMMA HESSBERG / GEB. ROTBARSCH / JG. 1878 / DEPORTIERT 1942 / RIGA / FÜR TOT ERKLÄRT

Sponsor: Bürgerverein Bamberg Mitte (Sabine Sauer)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / MAX HESSBERG / JG. 1903 / DEPORTIERT / MAJDANEK / ERMORDET 23.12.1943

Sponsor: Johannes Simon, Bistum Würzburg

Patenschaft übernommen von: Irma Salon / Irma Eichhorn



Generalsgasse 2:

Stolpersteine zur Erinnerung an Fanny Grollmann und ihre Tochter Johanna Grollmann.

Fanny Grollmann, geb. Rosenstrauß, wurde am 16.03.1864 in Bamberg geboren. Sie war mit Aron Grollmann verheiratet gewesen. Das Ehepaar hatte eine Tochter: die am 13.11.1892 in Regensburg geborene Johanna Grollmann.

Neueste Forschungen haben ergeben, dass die Rentnerin Johanna Grollmann am 24. 03. 1942 aus Bamberg nach Izbica (Distrikt Lublin) deportiert wurde. Das weitere Schicksal und die Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt.

Die verwitwete Fanny Grollmann wurde am 09.09.1942 aus Bamberg nach Theresienstadt deportiert; sie kam dort am 08.12.1942 um.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.140)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / FANNY GROLLMANN / GEB. ROSENSTRAUSS / JG. 1864 / DEPORTIERT / THERESIENSTADT / TOT 8.12.1942

Sponsor: Bürgerverein Bamberg Mitte (Sabine Sauer)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / JOHANNA GROLLMANN / JG. 1892 / DEPORTIERT / RICHTUNG OSTEN / ? ? ?

Sponsor: Peter Berns und Sabine Sauer

Patenschaft übernommen von: Franz Fichtl



Habergasse 1:

Stolpersteine zur Erinnerung an Isidor Reichmannsdorfer, seine Tochter Mathilde Lipp sowie deren Stieftochter Ilse Lipp.

Isidor Reichmannsdorfer wurde am 15.11.1867 in Lisberg/Oberfranken geboren. Er war mit der 1931 verstorbenen Bertha Reichmannsdorfer, geborene Prölsdörfer, verheiratet gewesen. Das Ehepaar hatte eine Tochter: die am 01.08.1897 in Trabelsdorf geborene Mathilde Reichmannsdorfer. Mathilde Reichmannsdorfer war seit dem 10.05.1937 mit dem bereits verwitweten, 1940 verstorbenen Heinrich Lipp verheiratet; Heinrich Lipp war in erster Ehe mit Selma Kohn verheiratet gewesen und hatte aus dieser Ehe zwei Töchter: die am 29.01.1920 in Bamberg geborene Hilde Lipp sowie die am 08.01.1926 in Bamberg geborene Ilse Lipp.

Ilse Lipp musste ab November 1936 zwangsweise die „jüdische Sonderklasse“ besuchen. Sie hielt sich vom 17.12.1939 bis 18.11.1941 im jüdischen Waisenhaus in Fürth auf, kehrte danach von dort nach Bamberg zurück.

Isidor Reichmannsdorfer war am 14. 02.1938 aus Trabelsdorf nach Bamberg zugezogen und wohnte im Haushalt seiner in Bamberg verheirateten Tochter Mathilde Lipp.

Mathilde Lipp und ihre Stieftochter Ilse Lipp wurden am 27.11.1941 aus Bamberg nach Riga deportiert. Ihr letzter bekannter Aufenthaltsort war ab 03.12.1941 das Lager Riga-Jungfernhof. Das weitere Schicksal und die Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt.

Isidor Reichmannsdorfer wurde am 09.09.1942 aus Bamberg nach Theresienstadt deportiert; er kam dort am 23. 01.1943 um.

Hilde Lipp war während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiterin in Frankfurt/M., Berlin und zuletzt in Hamburg. Nach der Bombardierung der Stadt Hamburg beschaffte sie sich falsche Papiere und konnte mit neuer Identität einer legalen Berufsarbeit nachgehen und überleben; 1945 emigrierte sie in die USA.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.303, 246f.)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / ISIDOR / REICHMANNSDORFER / JG. 1867 / DEPORTIERT 1942 / THERESIENSTADT / ERMORDET 23.1.1943

Sponsor: Norbert Tscherner

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / MATHILDE LIPP / GEB. REICHMANNSDORFER / JG. 1897 / DEPORTIERT 1941 / RIGA / ERMORDET

Sponsor: Wolfgang Jans

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / ILSE LIPP / JG. 1926 / DEPORTIERT 1941 / RIGA / ERMORDET

Sponsor: Familie Jürgens

Patenschaft übernommen von: Mitra Sharifi Neystanak, Robert Hinke und ihrem Sohn Kian Hinke



Hainstraße 4:

Stolpersteine zur Erinnerung an Dr. med. Max Kellermann, seine Gattin Ella Kellermann und ihren Sohn Rudi Kellermann.

Max Kellermann wurde am 28.09.1874 in Fuchsstadt/Unterfranken geboren. Seit 1911 war er mit der am 17.06.1887 in Bamberg geborenen Ella Ilse Kellermann verheiratet. Das Ehepaar hatte ein Kind: den am 27.12.1911 in Bamberg geborenen Rudi Kellermann.

Der Augenarzt Dr. med. Max Kellermann war 1910 aus Gunzenhausen nach Bamberg zugezogen. Seitdem war er bis 1936 Inhaber einer privaten Augenklinik. Bereits 1933 wurde ihm die Zulassung als Kassenarzt genommen. Ende September 1938 erfolgte das endgültige Berufsverbot, so dass er völlig verarmt von der Israelitischen Kultusgemeinde unterstützt wurde. In der Folge des Novemberpogroms wurde Max Kellermann am 10.11.1938 zunächst festgenommen und in das Landgerichtsgefängnis Bamberg eingeliefert, aber wieder entlassen.

Max und Ella Ilse Kellermann wurden am 27.11.1941 aus Bamberg nach Riga-Jungfernhof deportiert. Ihr letzter bekannter Aufenthaltsort war ab 03.12.1941 das Lager Riga-Jungfernhof. Das weitere Schicksal und die Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt.

Der Sohn Rudi Kellermann war kaufmännischer Vertreter. Ab Mai 1940 wurde er bis zu seinem Transport in die Vernichtung dem Tiefbauamt der Stadt Bamberg als Zwangsarbeiter zugewiesen. Er wurde ebenfalls am 27.11.1941 aus Bamberg nach Riga deportiert. Sein letzter bekannter Aufenthaltsort war ab 03.12.1941 das Lager Riga-Jungfernhof. Das weitere Schicksal und die Umstände seiner Ermordung sind nicht bekannt.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.204f.)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / DR. MAX / KELLERMANN / JG. 1874 / DEPORTIERT / RICHTUNG OSTEN / FÜR TOT ERKLÄRT

Sponsor: Bürgerverein Bamberg Mitte (Sabine Sauer)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / ELLA KELLERMANN / GEB. DESSAUER / JG. 1887 / DEPORTIERT / RICHTUNG OSTEN / FÜR TOT ERKLÄRT

Sponsor: Evangelische-Freikirchliche Gemeinde, Bamberg (Rainer Gebauer)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / RUDI / KELLERMANN / JG. 1911 / DEPORTIERT / RICHTUNG OSTEN / FÜR TOT ERKLÄRT

Sponsor: Bamberg Guide (Markus Raupach)

Patenschaft übernommen von: Sabine Weyermann



Hainstraße 7:

Stolpersteine zur Erinnerung an Dr. med. Siegmund Bauchwitz sowie seine Gattin Alice Bauchwitz.

Siegmund Bauchwitz wurde am 13. 11. 1876 im heutigen Świbodsin/Polen geboren. Nach seinem Medizinstudium in München war er 1904 aus München nach Bamberg gezogen. Dort heiratete er 1913 die am 31.01.1888 in Bamberg geborene Alice Ehrlich.

In Bamberg praktizierte Siegmund Bauchwitz als Arzt und Spezialist für Kinderkrankheiten bis 1938. Nach seinem Berufsverbot durch das NS-Regime war er nur noch als einer von zwei in Oberfranken zugelassenen sogenannten Krankenbehandlern für ausschließlich jüdische Patienten geduldet.

Nach dem Tode seines Vorgängers, Dr. Martin Morgenroth wurde Dr. Bauchwitz im Jahre 1939 zum Gemeindevorstand der Israelitischen Kultusgemeinde gewählt. In seiner Funktion als Vorstand wurden er und seine Angestellten Helene Eckstein und Isidor Traub, von der Gestapo gezwungen, deren Anordnungen den Gemeindemitgliedern mitzuteilen und Namenslisten für die Deportationen in die Vernichtung zusammenzustellen.

Siegmund und Alice Bauchwitz wurden am 09.09.1942 aus Bamberg zunächst nach Theresienstadt und von dort am 28.10.1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.33f.)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / DR. SIEGMUND / BAUCHWITZ / JG. 1876 / DEPORTIERT 1942 / THERESIENSTADT / ERMORDET 1944 IN / AUSCHWITZ

Sponsor: Sponsorengemeinschaft Hainstraße 7

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / ALICE BAUCHWITZ / GEB. EHRLICH / JG. 1888 / DEPORTIERT 1942 / THERESIENSTADT / ERMORDET 1944 IN / AUSCHWITZ

Sponsor: Sponsorengemeinschaft Hainstraße 7

Patenschaft übernommen von: Christine Freise-Wonka



Jakobsplatz 7:

Stolperstein zur Erinnerung an Karl Freiherr von Thüngen.
Karl Freiherr von Thüngen wurde am 26.06.1893 in Mainz geboren. Von Thüngen nahm am ersten Weltkrieg teil und war bei Kriegsende Oberleutnant. Anschließend wurde er in die Reichswehr übernommen und dort am 01.02.1925 zum Hauptmann befördert.

Er war unter anderem Mitglied des 17. Reiterregimentes in Bamberg und kommandierte im zweiten Weltkrieg an der Ostfront unter anderem im ersten Halbjahr 1942 sowie im ersten Quartal 1943 die 18. Panzer-Division. Am 6. April 1943 wurde dem damaligen Generalleutnant und Kommandeur der 18. Panzer-Division das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.

Im Jahr 1944 war von Thüngen in Berlin Inspekteur des Wehrersatzwesens. Am 20. Juli 1944 wurde er durch die Verschwörer zum Befehlshaber des Wehrkreises III (Berlin) ernannt und Nachfolger des festgenommenen Generals Joachim von Kortzfleisch. Er übernahm den Befehl über das Generalkommando.

Nachdem sich das Scheitern des Umsturzes abzeichnete nahm von Thüngen die „Walküre“- Befehle der Verschwörer zurück und war unter anderem an der Vernehmung von Hans-Ulrich von Oertzen beteiligt, was ihn aber nicht vor seiner späteren Verhaftung durch die Gestapo bewahrte.

Am 14.08.1944 wurde er durch den am 02.08.1944 gebildeten Ehrenhof aus der Wehrmacht entlassen, so dass das Reichskriegsgericht für die Aburteilung nicht mehr zuständig war. Am 28. und 29.09.1944 fand vor dem Volksgerichtshof unter dessen Präsidenten Roland Freisler die Verhandlung statt. Am 05.10.1944 wurde er zum Tode verurteilt und am 24.10.1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden erschossen.

Literatur:
Lexikon der Wehrmacht, http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Personenregister/T/ThuengenKarlFrhrv.htm
Gedenkstätte Deutscher Widerstand, http://www.gdw-berlin.de/bio/ausgabe_mit.php?id=203

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / KARL FREIHERR VON / THÜNGEN / JG. 1893 / IM WIDERSTAND / VERHAFTET 1944 / GEFÄNGNIS BRANDENBURG / ERSCHOSSEN 24.10.1944

Sponsor: Sparkasse Bamberg

Patenschaft übernommen von:



Kapuzinerstraße 29 / Clavius- Gymnasium:

Stolperstein zur Erinnerung an Luitpold Dornfest.

Luitpold Dornfest wurde am 21.12.1915 in Bamberg geboren, wo er Schüler des Clavius-Gymnasiums war. Nachdem er die Oberrealschule in Bamberg erfolgreich abgeschlossen hatte, war ihm, wohl auch auf Grund seiner polnischen Staatsangehörigkeit, der Zugang zu einer staatlichen Hochschule verwehrt. Erfolglos suchte er nach einer bleibenden Ausbildungsmöglichkeit. Sie ist durch seinen häufigen Ortswechsel dokumentiert: Januar 1933 bis April 1934 Frankfurt/M., 1936 kurzzeitig in Mir (Polen); August 1936 bis September 1937 in Berlin. Anschließend wohnte er wieder bei seinen Eltern; über seine Tätigkeit in Bamberg ist nichts bekannt.

Luitpold Dornfest wurde am 09.09.1942 aus Bamberg nach Theresienstadt deportiert. Er kam dort am 17.12.1942 um.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.77)

Text auf dem Stolperstein:

HIER LERNTE / LUITPOLD DORNFEST / JG. 1915 / DEPORTIERT 1942 / THERESIENSTADT / ERMORDET 17.12.1942

Sponsor: Abiturjahrgang 2008 des CG (Joana Streffing)

Patenschaft übernommen von: Joana Streffing und dem Clavius-Gymnasium Bamberg



Keßlerstraße 18:

Stolpersteine zur Erinnerung an Julius Schapiro, seine Gattin Eleonore Schapiro sowie die Tochter Ruth Schapiro.

Julius Schapiro wurde am 01.02.1895 in Burghaslach/Mittelfranken geboren. Er war seit 1921 mit der am 10.09.1896 in Kirchschonbach/Unterfranken geborenen Eleonora Hahn verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Töchter: die am 15.11.1922 in Bechhofen/Mittelfranken geborene Judith Schapiro sowie die am 25.11.1925 in Leipzig geborene Ruth Schapiro.

Julius Schapiro besuchte von 1912 bis 1915 die Israelitische Präparandenschule in Hochberg/Unterfranken. Nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg besuchte er die Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. 1919 schloss er mit dem Examen seine Lehrerausbildung ab. Die Familie Schapiro zog 1928 aus Künzelsau/ Württemberg nach Bamberg. Julius Schapiro war von da an Religionslehrer und Kantor der Israelitischen Kultusgemeinde.

In der Folge des Novemberpogroms war er vom 10.11.1938 bis 16.12.1938 in Dachau inhaftiert. Von 1939 an bis 1941 leitete er die private jüdische Volksschule in Bamberg in der „Weißen Taube“.

Julius, Eleonora und Ruth Schapiro wurden am 27.11.1941 aus Bamberg nach Riga deportiert. Der letzte bekannte Aufenthaltsort von Mutter und Tochter war ab 03.12.1941 das Lager Riga-Jungfernhof; das weitere Schicksal und die Umstände der Ermordung von Eleonora und Ruth Schapiro sind nicht bekannt.

Das Schicksal von Julius Schapiro ist in der Zeit von der Ankunft in Riga-Jungfernhof am 03.12.1941 bis Juli 1944 nicht mehr rekonstruierbar. Sein Verbleiben ist erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder dokumentiert. Man verschleppte ihn in der Folge der Räumung des NS-besetzten Baltikums in verschiedene Konzentrationslager, zunächst am 27.07.1944 in das KZ Riga, am 09.08.1944 in das KZ Stutthof und schließlich am 16.08.1944 ins KZ Buchenwald. Er wurde dort am 08.09.1944 dem KZ-Außenlager Troglitz, Kommando „Wille“ überstellt. Julius Schapiro ist angeblich an Herzschwäche am 26.01.1945 in Troglitz verstorben.

Die Tochter Judith Schapiro flüchtete im September 1938 nach Palästina.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.333-335)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / KANTOR / JULIUS SHAPIRO / JG. 1895 / VERHAFTET / KZ BUCHENWALD / TOT 1945

Sponsor: Julian Becker (und Jury zur Verleihung der Auszeichnung für Zivilcourage der Stadt Bamberg)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / ELEONORE SHAPIRO / GEB. HAHN / JG. 1896 / DEPORTIERT 1941 / RICHTUNG OSTEN / FÜR TOT ERKLÄRT

Sponsor: Julian Becker

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / RUTH SHAPIRO / JG. 1925 / DEPORTIERT 1941 / RICHTUNG OSTEN / FÜR TOT ERKLÄRT

Sponsor: Künstlerin und Kunsterzieherin Marion Aumüller


* * *


Stolpersteine zur Erinnerung an Isidor Forchheimer und seine Gattin Johanna Forchheimer.

Isidor Forchheimer wurde am 22.04.1887 in Thüngen/Unterfranken geboren. Er war mit der am 07.03.1888 in Schivelbein/heute Świdwin, Polen geborenen Johanna Michels verheiratet. Das Ehepaar hatte eine Tochter: die am 18.10.1920 in Bamberg geborene Margot Forchheimer. Der Kaufmann war 1919 aus Greifswald nach Bamberg zugezogen. Er war von 1919 bis 1937 Inhaber eines Ladengeschäftes für Manufaktur- und Kurzwaren, Tapezierartikel, Möbel und Bettfedern, danach bis 1938 nur noch Händler von gebrauchten Möbeln.

In der Folge des Novemberpogroms war er vom 10.11.1938 bis 24.12.1938 in Dachau inhaftiert.

Isidor und Johanna Forchheimer wurden am 27.11.1941 aus Bamberg nach Riga deportiert. Ihr letzter bekannter Aufenthaltsort war ab 03.12.1941 das Lager Riga-Jungfernhof. Das weitere Schicksal und die Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt.

Margot Forchheimer zog am 29.04.1936 nach München; von Juli 1938 bis Januar 1939 arbeitete sie als Kinderfräulein in Aschaffenburg. Sie flüchtete aus Bamberg nach England.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.109f.)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / ISIDOR FORCHHEIMER / JG. 1887 / DEPORTIERT 1941 / RIGA / ERMORDET

Sponsor: Künstlerin und Kunsterzieherin Marion Aumüller

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / JOHANNA FORCHHEIMER / GEB. MICHELS / JG. 1888 / DEPORTIERT 1941 / RIGA / ERMORDET

Sponsor: Künstlerin und Kunsterzieherin Marion Aumüller

Patenschaft übernommen von: Monique Mödl-Hooreman und Norbert Mödl



Luitpoldstraße 4:

Stolpersteine zur Erinnerung an Benno Kohn und seine Gattin Luise Kohn.

Benno Kohn wurde am 17.08.1872 in Lülsfeld/Unterfranken geboren. Er war seit 1906 mit der am 12.10.1880 in Dormitz/Mittelfranken geborenen Luise Freitag verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Töchter: die am 23.04.1907 in Bamberg geborene Anna Rosa Kohn sowie Maria Kohn.

Benno Kohn war 1907 aus Gerolzhofen zugezogen. Seitdem war er Inhaber des „Landwirtschaftlichen Maschinengeschäfts vorm. Gebr. Buxbaum“ in Bamberg. Die Firma unterlag 1938 dem Zwangsverkauf.

Benno Kohn war Vorsitzender des orthodoxen Vereins „Adas Israel“ innerhalb der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg.

In der Folge des Novemberpogroms wurde er am 10.11.1938 festgenommen und in das Landgerichtsgefängnis Bamberg eingeliefert, aber wieder entlassen.

Benno und Luise Kohn wurden am 27.11.1941 aus Bamberg nach Riga deportiert. Ihr letzter bekannter Aufenthaltsort war ab 03.12.1941 das Lager Riga-Jungfernhof. Das weitere Schicksal und die Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt.

Anna Rosa Kohn wurde am 27.11.1941 mit ihren Eltern nach Riga deportiert. Sie überlebte und kehrte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus einem anderen Lager kurzzeitig nach Bamberg zurück.

Maria Kohn flüchtete mit ihrem Gatten Josef Kohn in die USA und überlebte den Holocaust.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.219f.)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / LUISE KOHN / GEB. FREITAG / JG. 1880 / DEPORTIERT 1941 / RIGA / ERMORDET

Sponsorin: Heidemarie Schmitt

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / BENNO KOHN / JG. 1872 / DEPORTIERT 1941 / RIGA / ERMORDET

Sponsoren: Franca Heinsch, Julia Roos, Franz Fichtl

Patenschaft übernommen von: Wolfgang Jans



Luitpoldstraße 16:

Stolperstein zur Erinnerung an Hans Wölfel.
Hans Wölfel wurde am 30.03.1902 in Bad Hall geboren. Ab 1913 besuchte Wölfel zunächst zwei Jahre das Gymnasium der Benediktiner in Kremsmünster, anschließend nahm ihn sein Onkel Johann Wölfel, der in einem Dorf nahe Bamberg Pfarrer war, bei sich auf, sodass Wölfel in Bamberg das Gymnasium besuchen und dort 1922 das Abitur machen konnte. Daraufhin studierte Wölfel in München und Würzburg Jura. Im Februar 1925 bestand er das Referendarexamen, im April 1929 die Assessorprüfung und ließ sich dann in Bamberg als Rechtsanwalt nieder. Im selben Jahr heiratete er. Seine Anwaltspraxis wurde eine führende und angesehene Kanzlei in Zivil- und Strafsachen. 1932 wurde Wölfel Vorsitzender des Ortskartells der katholischen Vereine Bambergs. In den Wahlen des Jahres 1932 trat er entschlossen für die Bayerische Volkspartei, die Weimarer Republik und die katholische Kirche ein und kämpfte gegen den Nationalsozialismus. Nach der „Machtergreifung“ musste er schweigen. In seiner Arbeit zeigte sich jedoch seine unveränderte Gesinnung: Er verteidigte Bamberger Bürger, die vor dem Sondergericht Bamberg wegen angeblich staatsgefährdender Vergehen angeklagt waren. Vielen vom Nationalsozialismus bedrängten Menschen half er, soweit ihm dies möglich war.

Im Juli 1943 äußerte sich Wölfel anlässlich einer Urlaubsreise im Kreis von Bekannten über die politische Lage. Er sagte, der Krieg könne nicht mehr gewonnen werden und Hitler sei der größte Wortverdreher aller Zeiten. Eine der Zuhörerinnen, eine junge Frau und NSDAP-Mitglied, denunzierte ihn. In den Verhören durch die Gestapo erklärte Wölfel, dass er bestimmten Lehren des Nationalsozialismus auch jetzt noch nicht zustimmen könne, da sie seiner christlichen Überzeugung widersprächen.

Wölfel wurde in Berlin inhaftiert, vor den Volksgerichtshof gestellt und wegen „Wehrkraftzersetzung“ am 10.05.1944 zum Tode verurteilt. Am 03.07.1944 wurde er in Brandenburg-Görden durch Enthauptung hingerichtet.

(Literatur: http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_W%C3%B6lfel)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / HANS WÖLFEL / JG. 1902 / VERHAFTET 1943 / GEFÄNGNIS BRANDENBURG / ERMORDET 1944

Sponsor: „Teegießerei“, Bamberg (Andreas Ulich)

Patenschaft übernommen von: 4. Klassen der Gangolfschule Bamberg / Rektor Norbert Bocksch



Luitpoldstraße 26:

Stolpersteine zur Erinnerung an Albert Walter, seine Gattin Milly Walter sowie die Tochter Helga Walter.

Albert Walter wurde am 09.05.1888 in Sugenheim/Mittelfranken geboren. Er war 1908 aus Sugenheim nach Bamberg zugezogen. Seit 1914 war er mit der 1920 verstorbenen Gretl Walter verheiratet gewesen. Der verwitwete Albert Walter heiratete 1922 die Schwester seiner verstorbenen Ehefrau, die am 01.06.1898 in Meiningen/Thüringen geborene Milly Haas. Das Ehepaar hatte eine Tochter: die am 01.02.1928 in Bamberg geborene Helga Walter.

Nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg kehrte er mit dem Verlust des rechten Armes und eines Auges nach Bamberg zurück.

Albert Walter besaß ab 1917 gemeinsam mit seinem Bruder Isidor Walter ein Geschäft für landwirtschaftliche Maschinen mit angeschlossener Reparaturwerkstatte. Die Firma unterlag Ende Dezember 1938 dem Zwangsverkauf.

In der Folge des Novemberpogroms wurde Albert Walter am 10.11.1938 festgenommen und in das Landgerichtsgefängnis Bamberg eingeliefert, aber wieder entlassen.

Die Tochter Helga Walter musste ab November 1936 zwangsweise die „jüdische Sonderklasse“ besuchen.

Nach neuesten Forschungsergebnissen wurden Albert, Milly und Helga Walter am 27.11.1941 aus Bamberg nach Riga deportiert. Ihr letzter bekannter Aufenthaltsort war ab 03.12.1941 das Lager Riga-Jungfernhof. Das weitere Schicksal und die Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt.

Bei Familie Walter zitierten wir auf den Stolpersteinen die Todesdaten Albert und Milly Walters nach: „Bambergs Wirtschaft Judenfrei”, von Franz Fichtl, Stephan Link, Herbert May und Sylvia Schaible, Bamberg, 1998, S. 283. Das Todesdatum von Helga Walter, zitiert Dr. Karin Dengler-Schreiber nach Mistele, Ende, hintere Umschlagseite.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.387f.)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / ALBERT WALTER / JG. 1888 / DEPORTIERT / RIGA / ERMORDET NOV. 1941

Sponsor: Martin Lorber

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / MILLY WALTER / GEB. HAAS / JG. 1899 / DEPORTIERT / RIGA / ERMORDET NOV. 1941

Sponsor: Geschichte für Alle e.V. (L. Bielefeldt)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / HELGA WALTER / JG. 1928 / DEPORTIERT / RIGA / ERSCHOSSEN 1942

Sponsor: Soroptimistinnen International (Dr. Karin Dengler-Schreiber)

Patenschaft übernommen von: Alfred Pöhlmann



Luitpoldstraße 27:

Stolperstein zur Erinnerung an Karolina Löbl.
Karolina Schloß wurde am 23.8.1861 in Maroldsweissach/ Unterfranken geboren. Seit 1885 war sie mit dem 1929 in Bamberg verstorbenen Hugo Löbl verheiratet.

Die verwitwete Karoline Löbl wurde am 09.09.1942 aus Bamberg zunächst nach Theresienstadt und von dort am 209.09.1942 nach Treblinka deportiert und ermordet.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.249f.)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / KAROLINA LÖBL / GEB. SCHLOSS / JG. 1861 / DEPORTIERT 1942 / THERESIENSTADT / ERMORDET 1942 IN / TREBLINKA

Sponsoren: Schülerinnen der Maria-Ward-Realschule

Patenschaft übernommen von: Kulturwerkstatt (Johanna Krause und Judith Siedersberger)



Luitpoldstraße 32:

Stolpersteine zur Erinnerung an Albert Aron, seine Gattin Berta Aron sowie den Sohn Willy Aron.
Albert Aron wurde am 31.01.1871 in Hadamar/Hessen-Nassau geboren. Er war mit der am 09.06.1880 in Arnstein/Unterfranken geborenen Berta Freudenberger verheiratet. Das Ehepaar hatte einen Sohn: den am 03.06.1907 in Bamberg geborenen Willy Aron (Foto links).

Der Rechtsanwalt Albert Aron war 1899 in München, ab 1900 in Eichstatt zugelassen. Er war 1902 aus Eichstatt nach Bamberg zugezogen; hier praktizierte er von 1902 bis zu seinem Berufsverbot 1938. Ab 1922 führte er den Titel Justizrat. Der Sohn Willy Aron studierte Rechtswissenschaft in Erlangen, München und Würzburg. In Bamberg war er Leiter jüdischer Jugendgruppen, Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend, später engagierte er sich im Republikanischen Schutzbund „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“. Als Referendar am Bamberger Gericht verteidigte er Sozialdemokraten gegen Nationalsozialisten.

Nach der NS-Machtübernahme wurde er am 10.03.1933 als Regimegegner festgenommen und im Landgerichtsgefängnis Bamberg in sogenannte Schutzhaft festgesetzt. Am 13.05.1933 wurde er ins Konzentrationslager Dachau verschleppt und dort nach neuesten Forschungen am 17.05.1933 ermordet.

Willy Aron ist auf dem Israelitischen Friedhof in Bamberg begraben.

An Willy Aron, das erste Bamberger Opfer der Nationalsozialisten, erinnern eine Straße in Bamberg und eine Gedenktafel im Bamberger Oberlandesgericht.

Albert Aron wurde in der Folge des Novemberpogroms am 10.11.1938 festgenommen und in das Landgerichtsgefängnis in Bamberg eingeliefert, aber wieder entlassen. Albert und Bertha Aron wurden nach neuesten Forschungen am 09.09.1942 aus Bamberg zunächst nach Theresienstadt und von dort am 20.09.1942 nach Treblinka deportiert und ermordet.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.26f.)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / ALBERT ARON / JG. 1871 / DEPORTIERT 1942 / THERESIENSTADT / TOT IN MINSK

Sponsor: Dr. jur. Hans de With

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / BERTA ARON / GEB. FREUDENBERGER / JG. 1880 / DEPORTIERT 1942 / TOT IN / THERESIENSTADT

Sponsor: Bamberg Guide (Markus Raupach)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / WILLY ARON / JG. 1907 / VERHAFTET / KZ DACHAU / MISSHANDELT / TOT 19.5.1933

Sponsor: Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e.V.

Patenschaft übernommen von: Alfred Pöhlmann



Luitpoldstraße 40:

Stolperstein zur Erinnerung an Grete Bing.

Grete Bing wurde am 20.12.1872 in Bamberg geboren. Sie war seit 1886 mit dem Kaufmann Edmund Bing verheiratet gewesen, der 1936 in Bamberg verstarb. Edmund Bing war von 1893 bis 1935 Teilhaber der Nähseidenfabrik „Kupfer & Mohrenwitz“ in Bamberg. Das Ehepaar Bing trat am 31.05.1920 aus der Israelitischen Kultusgemeinde aus.

Die Witwe Grete Bing setzte in der Folge des Novemberpogroms vom 9./10.11.1938 ihrem Leben am 14.11.1938 ein Ende.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.49)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / GRETE BING / GEB. HESSLEIN / JG. 1872

/ GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET / FLUCHT IN DEN TOD / 14.11.1938

Sponsor: Dr. Reinhold Deml

Patenschaft übernommen von: „Schule ohne Rassismus”-Schülergruppe des Eichendorff-Gymnasiums Bamberg / Alexandra Franze



Luitpoldstraße 48:

Stolpersteine zur Erinnerung an Rosa Walter, ihre Tochter Irma Walter sowie deren Sohn Sally Walter.

Die am 24.08.1884 in Burgkunstadt/Oberfranken geborene Rosa Kohn war seit 1909 mit Heinrich Walter verheiratet gewesen. Heinrich Walter war als Teilnehmer am Ersten Weltkrieg an den Folgen einer Kriegsverletzung am 04.07.1916 im Reservelazarett in St. Jean le Buzy gestorben. Das Ehepaar hatte zwei Kinder: die am 18.09.1910 in Bamberg geborene Irma Walter sowie den am 25.01.1915 in Bamberg geborenen Alfred Walter.

Die Witwe Rosa Walter leitete das von ihrem Mann 1910 gegründete landwirtschaftliche Maschinengeschäft unter dem Namen „Heinrich Walter’s Witwe“ bis 1938. Die Firma unterlag dem Zwangsverkauf.

Rosa Walter wurde am 27.11.1941 aus Bamberg nach Riga deportiert. Ihr letzter bekannter Aufenthaltsort war ab 03.12.1941 das Lager Riga-Jungfernhof. Das weitere Schicksal und die Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt.

Ihre Tochter Irma Walter hatte einen Sohn, den am 06.02.1940 in Bamberg geborenen Sally Walter. Sie war Schneiderin und übte ihren Beruf bis zum Verbot im Jahre 1938 aus. Seit 1939 war sie als Handarbeitslehrerin in der jüdischen Privatschule, die am Sitz der Gemeindeverwaltung „Weise Taube“ angesiedelt war, beschäftigt. Mit einer Sondergenehmigung konnte sie ab November 1941 für ausschließlich jüdische Kundschaft bis zum Tag ihrer Deportation in ihrem Beruf tätig sein.

Irma Walter und ihr zweijähriger Sohn Sally wurden am 24.03.1942 aus Bamberg nach Izbica (Distrikt Lublin) deportiert. Das weitere Schicksal und die Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt.

Alfred Walter flüchtete aus Bamberg in die USA. Er überlebte den Holocaust.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.391f.)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / IRMA WALTER / JG. 1910 / DEPORTIERT 1942 / IZBICA / ERMORDET

Sponsor: Schülerinnen und Schüler des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / SALLY WALTER / JG. 1940 / DEPORTIERT 1942 / IZBICA / ERMORDET

Sponsor: Schülerinnen und Schüler des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / ROSA WALTER / GEB. KOHN / JG. 1884 / DEPORTIERT 1941 / RIGA / ERMORDET

Sponsor: Dr. Christa Horn

Patenschaft übernommen von: Schülerinnen und Schülern des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums / Christa Horn



Michael-Rümmer-Str 6:

Stolperstein zur Erinnerung an Anton Langhammer.

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / ANTON LANGHAMMER / JG. 1924 / „Fahnenflucht” / ERSCHOSSEN am
7.4.1945 / In Bamberg

Sponsor: Andreas Christ

Patenschaft übernommen von:



Obere Sandstraße 13:

Stolperstein zur Erinnerung an Rosa Koburger.

Rosa Koburger wurde am 24.09.1882 in Bamberg geboren. Sie war hier von 1930 bis 1938 Inhaberin einer Versicherungsagentur.

Rosa Koburger wurde am 25.04.1942 aus Bamberg nach Izbica (Distrikt Lublin) deportiert. Das weitere Schicksal und die Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.217)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / ROSA KOBURGER / JG. 1882 / DEPORTIERT 1942 / IZBICA / ERMORDET

Sponsor: Bürgerverein IV. Distrikt, Gisela Bosch

Patenschaft übernommen von: Ute Schaller



Ottostraße 7:

Stolperstein zur Erinnerung an Sophie Grünebaum.

Sophie Klein wurde am 09.01.1875 in Bamberg geboren. Ab 1897 war sie mit Sigmund Grünebaum, der 1941 in Bamberg verstarb, verheiratet.

Die verwitwete Sofie Grünebaum wurde am 09.09.1942 aus Bamberg zunächst nach Theresienstadt und am 18. 05. 1944 von dort nach Auschwitz deportiert und ermordet.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.141)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / SOPHIE GRÜNEBAUM / GEB. KLEIN / JG. 1875 / DEPORTIERT 1942 / THERESIENSTADT / ERMORDET 1944 IN / AUSCHWITZ

Sponsorin: Alice Burger

Patenschaft übernommen von: Thea Eichhorn



Ottostraße 15:

Stolpersteine zur Erinnerung an Oskar Fleischmann und seine Gattin Paula Fleischmann.

Oskar Fleischmann wurde am 09.03.1882 in Forchheim geboren. Er war seit 1920 mit der am 23.01.1887 in Bamberg geborenen Paula Mayer verheiratet. Der Kaufmann Oskar Fleischmann war im Februar 1921 aus Arnstadt/Thüringen nach Bamberg zugezogen. Seit der Firmengründern der Holzgroßhandlung „Felsenstein & Cie.“ 1923 war er deren Teilhaber, ebenso an der seit mindestens 1916 bestehenden Kohlenhandlung „M. A. Mayer“. Die Firmen erloschen am 31.12.1938. Paula Fleischmann war von Beruf Biochemikerin und zeitweise an der Universität Würzburg tätig.

In der Folge des Novemberpogroms war Oskar Fleischmann vom 10.11.1938 bis 20.12.1938 in Dachau inhaftiert. Ab Mai 1940 wurde er bis zu seinem Transport in die Vernichtung dem Tiefbauamt der Stadt Bamberg als Zwangsarbeiter zugewiesen.

Oskar und Paula Fleischmann wurden am 27.11.1941 aus Bamberg nach Riga deportiert. Ihr letzter bekannter Aufenthaltsort war ab 03.12.1941 das Lager Riga-Jungfernhof. Das weitere Schicksal und die Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.105f.)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / PAULA FLEISCHMANN / GEB. MAYER / JG. 1887 / DEPORTIERT 1941 / RIGA / ERMORDET

Sponsor: Dr. Birgit Ullmann

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / OSKAR FLEISCHMANN / JG. 1882 / DEPORTIERT 1941 /RIGA / ERMORDET

Sponsor: Dr. Birgit Ullmann

Patenschaft übernommen von: Wolfgang Ziegler



Schützenstraße 20:

Stolpersteine zur Erinnerung an Claus Schenk Graf von Stauffenberg sowie seine Schwiegermutter Anna Freifrau von Lerchenfeld.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg, (* 15. November 1907 in Jettingen, Bayern; † 21. Juli 1944 in Berlin) war ein deutscher Oberst im Generalstab. Er war zusammen mit seinem Bruder Berthold Schenk Graf von Stauffenberg eine der Hauptpersonen des militärischen Widerstands gegen Adolf Hitler. Er verübte das Attentat vom 20. Juli 1944 und gehörte zu den führenden Kräften des anschließenden, gescheiterten Staatsstreichs. Stauffenberg war ein konservativer Patriot und sympathisierte zunächst mit den nationalistischen und militaristischen Aspekten des Nationalsozialismus, bevor er – im Angesicht der militärischen Niederlage Deutschlands – aus patriotischen und moralischen Erwägungen heraus zum aktiven Widerstand fand.

Seine Schwiegermutter Anna Freifrau von Lerchenfeld, geb. Freiin von Stackelberg wurde am 11.01.1880 geboren. Sie wurde nach dessen Attentat auf Adolf Hitler am 25. 7. 1944 verhaftet, nach Ravensbrück und Matzkau/Danzig deportiert und am 6. 2. 1945 ermordet.

Literatur: ( wikipedia )

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / CLAUS SCHENK / GRAF VON / STAUFFENBERG / JG. 1907 / ERSCHOSSEN 21.7.1944

1. Sponsor: Vereinigung 17er Reiter (Gerhard Rammel)

Der Stolperstein von Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde 2010 von unbekannten Tätern zerstört. 2011 wurde er von Gunter Demnig erneut verlegt.

2. Sponsor: Dr. Nikolai Czugunow-Schmitt

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / ANNA FREIFRAU VON / LERCHENFELD / GEB. FREIIN VON / STACKELBERG / JG. 1880 / VERSCHLEPPT 1944 / ERMORDET 6.2.1945 / MATZKAU/DANZIG

Sponsor: Erika Schrempf-Hill

Patenschaft übernommen von: „Schule ohne Rassismus”-Schülergruppe des Eichendorff-Gymnasiums Bamberg / Alexandra Franze



Trimbergstraße 17:

Stolperstein zur Erinnerung an Artur Ulmann.

Artur Ulmann wurde am 06.03.1888 in Frankfurt/Main geboren. Seine Eltern waren zur evangelischen Kirche konvertiert. Artur Ulmann war seit 1932 in zweiter Ehe mit der katholischen Margareta Taubald verheiratet. Er selbst war ebenfalls katholischer Konfession, durch NS-Gesetzgebung wurde er jedoch als „Jude“ eingestuft. Das Ehepaar Ulmann war im April 1944 aus Frankfurt/M. nach Bamberg gezogen. Artur Ulmann war Kriegsinvalide und arbeitete als Kellner, seine Ehefrau Margareta arbeitete als Bedienung in einem Bamberger Hotel.

Artur Ulmann wurde am 20.12.1944 aus Bamberg auf Veranlassung der Gestapo Nürnberg-Furth, Außenstelle Bamberg, in das KZ Flossenburg verschleppt; er kam dort am 25.02.1945 um.

Seine verwitwete Ehefrau lebte nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin in Bamberg; sie zog im Januar 1961 nach Frankfurt/Main.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.378)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / ARTUR ULMANN / JG. 1888 / VERHAFTET 1944 / KZ FLOSSENBÜRG / ERMORDET 25.2.1945

Sponsor: ESG Bamberg

Patenschaft übernommen von: Wolfgang Jans



Untere Brücke 2:

Stolpersteine zur Erinnerung an Regina Brief und ihren Bruder Markus Brief.

Regina Brief wurde am 24.09.1888 in Hamburg, ihr Bruder Markus am 13.08.1895 in Bamberg geboren.

Die Familie Brief stammte aus Lemberg/Galizien (Osterreich-Ungarn), heute Lwiw/Ukraine. Sie war 1889 aus Hamburg nach Bamberg zugezogen. Im Zusammenhang mit der Warnung vor angeblichen Aktionen des polnischen Geheimdienstes durch die Regierung von Oberfranken erstellte am 17.02.1926 das Einwohnermeldeamt Bamberg ein Verzeichnis der in Bamberg lebenden Polen; darunter befand sich auch die Familie Brief. Der Vater Samuel Brief betrieb in Bamberg ein kleines Textilgeschäft; zudem war er Leichendiener der Israelitischen Kultusgemeinde.

Die Töchter Regina und die 1939 in Bamberg verstorbene Jenny halfen zunächst im väterlichen Geschäft. Seit 1922 handelten sie gemeinsam mit Wollwaren auf Messen und Märkten, bis ihnen der Handel 1938 verboten wurde. Auf Grund der sinkenden Ertragslage verarmten die Geschwister Brief so sehr, dass ihnen bereits 1934 von der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde das „Kirchgeld“ erlassen wurde. Im Frühjahr 1939 wurde den Geschwistern Brief die Ausweisung nach Polen angedroht. Daraufhin machte Jenny Brief eine Eingabe an die Stadtverwaltung und bat um die Rücknahme der Ausweisung mit dem Hinweis auf zwei im Weltkrieg gefallene Brüder und ihren blinden Bruder Markus. Der Bruder Markus Brief war von Kindheit an blind. Von 1919 bis 1921 absolvierte er an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg eine Ausbildung zum Blindenlehrer.

Markus und Regina Brief wurden am 24.03.1942 aus Bamberg nach Izbica (Distrikt Lublin) deportiert. Das weitere Schicksal und die Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.62f.)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / REGINA BRIEF / JG. 1888 / DEPORTIERT 1942 / IZBICA / ERMORDET

Sponsor: evangelische Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen des Clavius Gymnasiums Bamberg

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / MARKUS BRIEF / JG. 1895 / DEPORTIERT 1942 / IZBICA / ERMORDET

Sponsor: Nikola Brunner und Andreas Ullmann

Patenschaft übernommen von: Schülerinnen und Schüler des Clavius Gymnasiums Bamberg



Untere Sandstraße 20:

Stolperstein zur Erinnerung an Heinrich Karl.

Heinrich Karl wurde am 14.03.1869 in Walsdorf geboren. Er war seit 1899 mit Babette Karl verheiratet. Heinrich Karl war im März 1906 aus Bad Kissingen nach Bamberg zugezogen; seitdem war er Inhaber einer kleinen Schneiderei, die 1938 erlosch. In der Folge des Novemberpogroms wurde er am 10.11.1938 festgenommen, aber auf Grund seines Alters wieder entlassen.

Heinrich Karl wurde am 15.05.1942 aus Bamberg nach Dachau verschleppt; er kam dort am 06.07.1942 um.

Seine Ehefrau lebte von ihm getrennt, zunächst in Aschbach, seit 1927 in Würzburg. Ihr weiteres Schicksal ist nicht bekannt.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.194)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / HEINRICH KARL / JG. 1869 / VERHAFTET 1942 / DACHAU / ERMORDET 6.7.1942

Sponsor: Bürgerverein IV. Distrikt, Gisela Bosch

Patenschaft übernommen von: Ute Schaller



Vorderer Bach 4:

Stolpersteine zur Erinnerung an Berthold Katz, seine Gattin Ida Katz sowie den Sohn Ernst Julius Katz.

Berthold Katz wurde am 15.04.1885 in Kurnik/Polen geboren. Er war mit der am 05.12.1887 in Bamberg geborenen Ida Früh verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Söhne: den am 19.12.1926 in Bamberg geborenen Stephan Werner Katz sowie den am 30.09.1928 in Bamberg geborenen Ernst Julius Katz. Der Kaufmann Berthold Katz war von 1926 bis 1937 Inhaber des Textilwarenkaufhauses „Beka“ in Bamberg.

Die Söhne Stephan Werner und Ernst Julius Katz mussten ab November 1936 zwangsweise die „jüdische Sonderklasse“ besuchen. Nach Aufgabe seines Geschäftes zogen Berthold Katz, seine Frau Ida und die Söhne Stephan Werner und Ernst Julius nach Berlin. Von dort wurden Berthold, Ida und Ernst Julius Katz am 3. 03. 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Der ältere Sohn Stephan Werner, später Steve Katz flüchtete 1940 aus Berlin in die USA. Er lebt heute im US-Bundesstaat Illinois.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.199f.)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / IDA KATZ / GEB. FRÜH / JG. 1887 / DEPORTIERT 1943 / AUSCHWITZ / ERMORDET

Sponsor: Anna Maria Welsch-Bomba

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / BERTHOLD KATZ / JG. 1885 / DEPORTIERT 1943 / AUSCHWITZ / ERMORDET

Sponsor: Anna Maria Welsch-Bomba

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / ERNST JULIUS KATZ / JG. 1928 / DEPORTIERT 1943 / AUSCHWITZ / ERMORDET

Sponsor: Anna Maria Welsch-Bomba

Patenschaft übernommen von: Sanya Romeike und Anna Maria Welsch-Bomba



Vorderer Bach 7:

Stolperstein zur Erinnerung an Maria Brandis.

Maria Brandis wurde am 26.07.1865 in Mühlhausen/Mittelfranken geboren. Sie betrieb seit 1911 in Bamberg in der Geyerswörthstraße eine private Sprachschule. Ab Herbst 1935 durfte sie nur noch jüdische Schüler unterrichten. Da sie ihren Beruf nicht mehr frei ausüben konnte, reichte ihr Auskommen nicht mehr. Deshalb musste sie ihre Wohnung aufgeben und von Zuwendungen der jüdischen Gemeinde leben.

Maria Brandis wurde am 09.09.1942 aus Bamberg nach Theresienstadt deportiert; sie kam dort am 23.01.1943 um.

(Literatur: Freise-Wonka, Bamberger Frauengeschichten, 2006; Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.60)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / MARIA BRANDIS / JG. 1865 / DEPORTIERT / THERESIENSTADT / TOT 23.1.1943

Sponsor:“ Teegießerei“, Bamberg, (Andreas Ulich)

Patenschaft übernommen von: Margit Gamberoni



Willy-Lessing-Straße 2:

Stolperstein zur Erinnerung an Emma Hellmann.

Emma Goldschmiedt wurde am 22.07.1867 in Verona/Italien geboren. Sie war seit 1914 mit dem am 24.06.1919 in Bamberg verstorbenen Hermann Hellmann verheiratet gewesen. Der aus Reckendorf/Oberfranken stammende Hermann Hellmann war Besitzer einer von 1888 bis 1905 bestehenden Bamberger Privatbank. Emma Hellmann betätigte sich im sozialen Bereich. Während des Ersten Weltkriegs stiftete sie 1915 den sogenannten Eisernen Ritter – eine Holzfigur, in die Spendennägel eingeschlagen werden konnten – zur Unterstützung der Bamberger Heimatfront.

Die verwitwete Emma Hellmann zog im April 1932 von Bamberg nach Frankfurt/Main. Sie wurde am 19.08.1942 zunächst nach Theresienstadt und von dort am 23.09.1942 nach Treblinka deportiert und ermordet.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.157)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / EMMA HELLMANN / GEB. GOLDSCHMIEDT / JG. 1867 / DEPORTIERT 1942 / THERESIENSTADT / ERMORDET 24.9.1942 / TREBLINKA

Sponsor: Soroptimistinnen International (Dr. Karin Dengler-Schreiber)

Patenschaft übernommen von: Gaby Wirth und ihren Kindern Ben und Emma



Willy-Lessing-Straße 8:

Stolperstein zur Erinnerung an Willy Lessing.

Willy Lessing wurde am 19.01.1881 in Bamberg geboren. Er war seit 1909 mit der am 28.12.1888 in Bamberg geborenen Paula Lessing verheiratet gewesen. Das Ehepaar hatte einen Sohn: den am 15.02.1915 in Bamberg geborenen Friedrich Lessing.

Der Kaufmann und Kommerzienrat Willy Lessing war Inhaber der Hopfenhandlungen „Simon Lessing“ und „Emanuel Dessauer“, der „Ziegelwerke Lessing“ in Bamberg und Miteigentümer der „Bamberger Hofbräu AG“, sowie Vorstandsmitglied bayerischer und deutscher Industrie- und Handelsverbände und Aufsichtsratsmitglied zahlreicher Gesellschaften. In Bamberg förderte er zahlreiche Vereine und Institutionen. Ab 1938 engagierte er sich als Vorsitzender der Repräsentantenversammlung der Israelitischen Kultusgemeinde.

Während des Novemberpogroms wurde er am 9. November 1938 in der Nähe der Brandstätte der Synagoge von Bamberger Nationalsozialisten schwer misshandelt; er starb am 17.01.1939 an den Folgen der Verletzungen.

Willy Lessing ist auf dem Jüdischen Friedhof in Bamberg begraben.

Willy Lessings Witwe Paula Lessing und der Sohn Friedrich, später Fred Lessing flüchteten aus Bamberg nach Newcastle upon Tyne (England). Friedrich Lessing emigrierte 1942 in die USA. Paula Lessing starb in Newcastle; sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg an die Seite ihres Mannes auf den Bamberger jüdischen Friedhof umgebettet. In Bamberg erinnert heute eine Straße an Willy Lessing, an der sich auch die heutige 7. Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg befindet. Der Gemeindesaal im Parterre des Gebäudes trägt seit 2008 ebenfalls seinen Namen.

(Literatur: Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S.240f.)

Text auf dem Stolperstein:

HIER WOHNTE / WILLY LESSING / JG. 1881 / OPFER DES POGROM / DIFFAMIERT, MISSHANDELT / TOT 17.1.1939

Sponsor: Israelitische Kultusgemeinde Bamberg

Patenschaft übernommen von: Susanne Schmitt



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Forschung: Arbeitspapiere 2008

  • Ausgabe 2 / 2011
    Nikolai Czugunow-Schmitt et al. (Hrsg.), Mechthildis Bocksch: Gedenkakte zum 78. Todestag von Willy Aron 2011
    . (pdf-Datei, 2.4 MB)
  • Ausgabe 1 / 2011
    Nikolai Czugunow-Schmitt et al. (Hrsg.), Mechthildis Bocksch: Internationaler Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2011
    . (pdf-Datei, 3.1 MB)
  • Ausgabe 5 / 2010
    Nikolai Czugunow-Schmitt et al. (Hrsg.), Mechthildis Bocksch: Karl Steinbauer (1906 - 1988) ev. Widerstand im „Dritten Reich“. Gedenkakt am 30. November 2010.
    (pdf-Datei, 2.8 MB)
  • Ausgabe 4 / 2010
    Nikolai Czugunow-Schmitt et al. (Hrsg.), Mechthildis Bocksch: 7. Zivilcouragerede von Alwin Reindl am 19. Oktober 2010, Zivilcourage. Gestern. Heute. Und Morgen?
    . (pdf-Datei, 3.1 MB)
  • Ausgabe 3 / 2010
    Nikolai Czugunow-Schmitt et al. (Hrsg.), Mechthildis Bocksch: Gedenken zum 66. Todestag von Rechtsanwalt Hans Wölfel am 3. Juli 2010.
    . (pdf-Datei, 2.3 MB)
  • Ausgabe 6 / 2009
    Nikolai Czugunow-Schmitt et al. (Hrsg.), Mechthildis Bocksch: Gedenken an Georg Elser: Zum 70. Jahrestag des Hitler-Attentates vom 8. November 1939
    . (pdf-Datei, 1.6 MB)


Die komplette Liste unserer Arbeitspapiere seit Beginn der Publikationen finden Sie in der Navigation links unter „Forschung”.