Todestag: 76. Todestag 2009

76. Todestag 2009

Vortrag von Prof. Dr. Helmut Moll

[15.05.2009] Zu den zentralen Gedenktagen für die Willy-Aron-Gesellschaft gehört der jährliche Todestag ihres Namensgebers. Wilhelm (Willy) Aron, Sohn eines Bamberger Rechtsanwalts jüdischer Herkunft, studierte nach Erlangung der Hochschulreife Rechtswissenschaften in Erlangen, Würzburg und München. Bekannt wurde er als Mitglied der schlagenden jüdischen Verbindung „Wirceburgia Würzburg”. Der junge Rechtsreferendar verteidigte im Jahre 1932 nach einer Straßenschlacht zwischen Nationalsozialisten und SPD-Anhängern angeklagte Sozialdemokraten.

Bald wurde er in der Bamberger Umgegend unter den nationalsozialistischen Gegnern bekannt. Bereits im März 1933 wurde der auch wegen seiner roten Haare auffallende Aron verhaftet. Zwei Monate später lieferten ihn die Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Dachau ein, wo er wenig später gewaltsam umgebracht wurde.

Die Willy-Aron-Gesellschaft hatte anlässlich dieses Gedenktages den Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für das Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Prälat Prof. Dr. Helmut Moll (Köln) eingeladen, um über „Blutzeugen jüdischer Herkunft in der NS-Zeit” einen Vortrag zu halten. Im Saal der Katholischen Hochschulgemeinde Bamberg sprach der Erste Vorsitzende, Dr. Nikolai Czugunow-Schmitt, ein Grußwort. Anschließend begrüßte Ratsherr Dr. Heller die Anwesenden und führte in die bewegte Geschichte der Stadt Bamberg im 20. Jahrhundert ein.

Der aus dem Rheinland angereiste Referent brauchte daher Willy Aron nur noch mit kurzen Strichen vorzustellen, der zu den ersten Opfern der Ideologie des Nationalsozialismus gehörte. Eingehend ging Moll sodann auf die im Jahre 1929 in Frankfurt am Main geborene Jüdin Anne Frank ein. Bereits vor der NS-Judenverfolgung setzte sich ihre Familie 1933 in die Niederlande ab, in der trügerischen Hoffnung, auf diese Weise die totalitäre Herrschaft unbeschadet überstehen zu können. Anne, die nach der deutschen Besetzung der Niederlande im Mai 1940 bis zum Jahre 1942 die Schule besuchte, versteckte sich mit jüdischen Freunden im Hinterhaus der Amsterdamer Prinsengracht. Ihrem Tagebuch vertraute sie Angst und Hoffnungen ihrer bedrängten Zeit an, bis die Gestapo ihr Versteck entdeckte und sie in das Konzentrationslager Bergen Belsen brachte, in dem sie im März 1945 starb.

Sind diese in die Enge getriebenen Juden nur Opfer, oder können sie auch den Ehrentitel Blutzeugen tragen?, warf der Erste Vorsitzende ein. Der Referent belegte aus dem Alten Testament, wie sehr bereits in der prophetischen Tradition die um Gottes willen Verfolgten als Märtyrer eingestuft werden, wie auch aus den Machabäerbüchern unzweideutig hervorgeht. Holocaustum, also Ganzopfer, wurden daher nicht nur Willy Aron und Anne Frank genannt, sondern auch alle, die zum christlichen Glauben weitergeschritten waren, weil sie den ”gefunden haben, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben” (Joh 1,45). Während der größere Teil dieser Juden evangelisch wurden, ging eine Minderheit zur katholischen Kirche, so die in Trabelsdorf bei Bamberg geborene Luise Löwenfels, die mit 27 Jahren im Konzentrationslager Auschwitz endete. Prälat Moll stellt
auch durch Porträtfotos weitere Personen jüdischer Provenienz vor: die Speyrer Gymnasiallehrerin und spätere Karmelitin Dr. Edith Stein, ihre ältere Schwester Rosa Stein, ferner die doppelt promovierte Ärztin Lisamaria Meirowsky aus dem westpreußischen Graudenz, die verheiratete Kölner Modistin Elvira Sanders-Platz, der Wittener Kaufmannssohn Fritz Rosenbaum, die alle vergast wurden.

Lebhaft gestaltete sich die anschließende Aussprache. Der Rekurs auf die mit der Stadt Bamberg verbundenen Gewaltopfer der NS-Zeit, vor allem der Hinweis auf den bekannten Rechtsanwalt Hans Wölfel, führte den anwesenden Teilnehmern erneut vor Augen, was heutigen Zeitgenossen immer wieder eingehämmert werden muß: Ohne Herkunft keine Zukunft!

Artikel: Helmut Moll


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Kaddish
der Trauernden

Erhoben und geheiligt sei sein großer Name, in der Welt die er erneuern wird.
Er belebt die Toten, und führt sie empor zu ewigem Leben,
Er erbaut die Stadt Jiruschalajim ,
und errichtet seinen Tempel auf ihren Höhen,
Er tilgt die Götzendienerei von der Erde,
und bringt den Dienst des Himmels wieder an seine Stelle,
und regieren wird der Heilige, gelobt sei er, in seinem Reiche und in seiner Herrlichkeit,
in eurem Leben und in euren Tagen
und im Leben des ganzen Hauses Israel,
schnell und in naher Zeit .
Und sprechet: Amejn.

Sein großer Name sei gelobt, in Ewigkeit und Ewigkeit der Ewigkeiten!
Es sei gelobt und verherrlicht
und erhoben und gefeiert
und hocherhoben und erhöht,
und gepriesen der Name des Heiligen, gelobt sei er,
hoch hinaus über jede Lobpreisung und jedes Lied,
jede Verherrlichung und jedes Trostwort,
welche jemals in der Welt gesprochen.
Und sprechet: Amejn.

Es sei der Name des EWIGEN gelobt, von nun an bis in Ewigkeit!
Es sei Fülle des Friedens vom Himmel herab,
und Leben,
über uns und über ganz Israel,
Und sprechet: Amejn.

Meine Hilfe kommt vom EWIGEN, dem Schöpfer des Himmels und der Erde,
der Frieden schafft in seinen Höhen,
er schaffe Frieden unter uns und über ganz Israel,
Und sprechet: Amejn.