Hitlerattentat 20. Juli: Grußwort des Fraktionsvorsitzenden Dr. Helmut Müller in Vertretung von Oberbürgermeister Andreas Starke

Grußwort des Fraktionsvorsitzenden Dr. Helmut Müller in Vertretung von Oberbürgermeister Andreas Starke

Sehr geehrter Herr Czugonow-Schmitt,
sehr geehrter Herr Professor Illies,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

wir sind heute zusammengekommen, um an das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 zu erinnern. In Vertretung von Oberbürgermeister Andreas Starke, der leider terminlich gebunden ist, begrüße ich Sie alle im Namen der Stadt Bamberg hier an der Gedenktafel für Claus Graf Schenk von Stauffenberg.

Das Attentat vom 20. Juli 1944 ist für unsere Gesellschaft von großer Bedeutung. Es symbolisiert den Höhepunkt eines Widerstandsprozesses gegen Hitler und dessen nationalsozialistisches Regime. Die Mitstreiter um Claus Graf Schenk von Stauffenberg und auch andere Gruppierungen wie etwa die „Weiße Rose“ standen in bemerkenswerter Weise für ihre inneren Überzeugungen ein – und waren auch bereit, dafür zu sterben. Dies macht folgendes Zitat auf sehr eindrückliche Weise deutlich:

„Wenn ich in wenigen Stunden vor den Richterstuhl Gottes treten werde, um Rechenschaft abzulegen über mein Tun und mein Unterlassen, so glaube ich mit gutem Gewissen vertreten zu können, was ich im Kampf gegen Hitler getan habe. Wenn einst Gott Abraham verheißen hat, er werde Sodom nicht verderben, wenn auch nur zehn Gerechte darin seien, so hoffe ich, dass Gott auch Deutschland um unseretwillen nicht vernichten wird“.

Diese Worte sprach Henning von Tresckow kurz vor seinem selbst gewählten Tod einen Tag nach dem gescheiterten Attentat. Von Tresckow fürchtete, dass er unter der Folter der Nazischergen die Namen seiner Mitstreiter verraten könnte – und widersetzte sich ein letztes Mal dem menschenverachtenden Regime der Nationalsozialisten durch Selbstmord. Auch Stauffenberg musste seinen Mut mit dem Leben bezahlen. Zusammen mit vier weiteren Offizieren wurde er kurz nach dem gescheiterten Attentat im Bendlerbock in Berlin hingerichtet.

Stauffenberg und all die anderen mutigen Männer und Frauen, die während der NS-Zeit gegen Gewalt, Unrecht und Rassenwahn aufgestanden sind, verdienen unseren Respekt. Sie stellten die Gebote der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit über ihr eigenes Leben und das ihrer Familien. In dem sie gegen eine totalitäre Diktatur kämpften, machten sie sich zu selbstlosen Streitern für ein besseres, für ein freies und gerechtes Deutschland.

Leider gibt es in unserem Land noch immer Bürgerinnen und Bürger, die dem deutschen Widerstand mit großer Skepsis gegenüberstehen. Manche kritisieren, der Widerstand sei zu unauffällig gewesen oder dass die einzelnen Gruppen aus unterschiedlichen Motiven heraus gehandelt haben. In der Tat ist das Ende des Nazi-Herrschaft von außen gekommen. Ohne die Intervention der Alliierten wäre Deutschland nicht von der nationalsozialistischen Diktatur Hitlers befreit worden.

Dennoch sind die Verdienste der Widerstandskämpfer nicht hoch genug zu bewerten. Der 20. Juli 1944 steht – stellvertretend für alle Formen des Widerstands – für ein anderes, für ein menschliches und für ein demokratisches Deutschland.

Selbst Winston Churchill erkannte das an, als er im Jahr 1946 vor dem britischen Unterhaus über die Widerstandkämpfer sagte, ich zitiere:

„Diese Männer kämpften ohne eine Hilfe von innen oder außen – einig getrieben von der Unruhe des Gewissens. So lange sie lebten, waren sie für uns unsichtbar und unerkennbar, weil sie sich tarnen mussten. Aber an den Toten ist der Widerstand sichtbar geworden.“

Somit ist der 20. Juli 1944 ähnlich wie das Kriegsende am 8. Mai 1945 ein Tag der Befreiung für unser Land. Ein Tag des Gedenkens und ein Tag der Mahnung.

Wir müssen vor allem den jungen Menschen in unserer Gesellschaft vermitteln, dass Toleranz, Zivilcourage und Solidarität die elementaren Säulen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung sind. Wir müssen das nicht nur mit Worten deutlich machen, sondern wir müssen das auch vorleben. So wie das die Bamberger Bürgerinnen und Bürger heuer und 2008 anlässlich des NPD-Bundesparteitags eindrucksvoll getan haben. Beim Fest der Demokratie und mit vielen kreativen Ideen wie etwa der Menschenkette haben wir deutlich gemacht, dass wir eine bunte und keine braune Gesellschaft wollen, die mit beiden Füßen fest auf dem Boden der Demokratie steht.

Deshalb wollen wir auch heute wieder der Toten gedenken. Zusammen mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg denken wir auch an

· Karl Freiherr von Thüngen,

· Rudolf Graf Marogna-Redwitz

· Ludwig Freiherr von Leonrod

· Roland von Hößlin und

· Peter Sauerbrauch

und die anderen Angehörigen der 17er Reiter hier aus Bamberg. Und wir denken an mutige Menschen wie Willy Aron oder Hans Wölfel. Sie alle haben gezeigt haben, dass auch eine unmenschliche Diktatur das Gewissen und die Moral nicht zum Schweigen bringen kann.

Deshalb möchte ich für die Toten als Zeichen unserer Wertschätzung und unseres Respekts im Namen der Stadt Bamberg und aller Bürgerinnen und Bürger diesen Kranz niederlegen.



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Zitat


„Es ist Zeit, daß jetzt etwas getan wird. Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muß sich bewußt sein, daß er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterläßt er jedoch die Tat, dann wäre er ein Verräter vor seinem eigenen Gewissen.“

Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944)

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