
Chasan
Arieh Rudolph von der Jüdischen Gemeinde. Foto: Mathias Hoch, FT ![]()
Mit seiner
Geschichtslehrerin Christa Horn und den Klassenkameraden Bettina Dirauf,
Edda Jacobsen, Sabrina Weigand und Simon Salzmann war er im vergangenen
Jahr nach Auschwitz gereist. Ihre intensiven Erlebnisse schilderten die
Schüler des Kaiser Heinrich-Gymnasiums nun am Internationalen
Holocaust-Gedenktag.
Die Willy-Aron-Gesellschaft hatte das
Gedenken organisiert. Vorsitzender Nikolai Czugunow-Schmitt erinnerte
daran, dass die Rote Armee am 27. Januar 1945 das KZ Auschwitz befreite.
Der Gedenktag stehe dafür, „dass wir uns an die Qualen der Opfer
erinnern“. Darüber hinaus wolle dieser Tag zur Versöhnung aufrufen. „Das
Angebot der Versöhnung fällt uns leichter bei der Erinnerungsarbeit,
weil es auch Widerstand gegeben hat“, meinte Czugunow-Schmitt und führte
die Bamberger Vertreter Claus Schenk von Stauffenberg, Hans Wölfel und
Willy Aron an. Doch großen Teilen der Bevölkerung habe Zivilcourage
gefehlt: „Ethisch ausgerichtete Zivilcourage ist der Schlüssel dafür,
dass es nie wieder passiert“, erklärte Czugunow-Schmitt. Dieser
Schlüssel schütze vor Rassismus, Antisemitismus und fanatischen
Ideologien.
Heinrich Olmer, Vorsitzender der Israelitischen
Kultusgemeinde in Bamberg, machte klar, dass die Auseinandersetzung mit
dem Naziregime und seinen Verbrechen in den Lehrplänen aller Schulformen
steht. Dennoch sei es mit dem Geschichtswissen junger Leute nicht zum
Besten bestellt. Olmer sieht darin eine „gemeinsame Aufgabe für alle in
Deutschland“, denen die Zukunft der Erinnerung wichtig sei: „Sie sollten
zusammen finden und zusammen arbeiten“, um zu erreichen, dass alle
Schulen in ihrem Umfeld gute Partner für den Geschichtsunterricht finden
können. Historische Bildung sei zugleich ein Baustein für die Humanität
der Gesellschaft, „in der wir morgen leben werden“.
Heinrich Olmer nannte die Verdrängung und Lüge die größten Feinde der Erinnerung: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Holocaust-Leugner und Extremisten aller Art in unserem Land Beifall finden.“ Wer gegen Juden und andere Minderheiten hetze, wer Anderen die Menschenwürde abspreche, habe nichts aus der Geschichte gelernt: „Treten wir solchen Leuten entschieden entgegen“, forderte Olmer.
Auch Fraktionsvorsitzender Helmut Müller, der für Oberbürgermeister Andreas Starke gekommen war, mahnte zu einem „Lernen aus der Vergangenheit, um Lehren zu ziehen für die Zukunft“. Auschwitz, in dem mehr als eine Million Menschen umgebracht worden sind, „ist keine Vergangenheit, die wir ruhen lassen dürfen“, betonte Müller und zitierte den Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel: „Wenn wir vergessen, sind wir schuldig, sind wir Komplizen.“
Chasan Arieh Rudolph von der Jüdischen Gemeinde (Bild) sprach das Kaddisch auf Hebräisch und Deutsch: „Er stifte Frieden für uns und ganz Israel. So sprechet Amen“, hieß es darin.
Schülerinnen der Maria-Ward-Realschule berichteten von ihrer Auseinandersetzung mit dem Schicksal des jüdischen Mädchens Erika. Im Projekt „Politik und Zeitgeschehen“ entstand auch die Idee, einen Stolperstein in Bamberg zu stiften. „Wir haben die Pflicht, dafür zu sorgen, dass es nie wieder eine Diktatur in Deutschland gibt“, erklärten die jungen Schülerinnen. In Fürbitten wurde diese Mahnung aufgegriffen: „Heile Du uns, Herr, so werden wir heil“. Mit diesen Worten legten die Besucher des Gedenktages das Ringen mit ihrer Geschichte in andere Hände.
Artikel von Marion Krüger-Hundrup, erschienen im Fränkischen Tag vom 29.01.2011, S. 13
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Kaddish
(Auszug)
Sein großer Name
sei gelobt, in Ewigkeit und Ewigkeit der Ewigkeiten!
Es sei gelobt und verherrlicht
und erhoben und gefeiert
und hocherhoben und erhöht,
und gepriesen der Name des Heiligen, gelobt sei er,
hoch hinaus über jede Lobpreisung und jedes Lied,
jede Verherrlichung und jedes Trostwort,
welche jemals in der Welt gesprochen.