
(© Foto FT: Marion Krüger-Hundrup)
Die „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF)“ bietet jungen Erwachsenen die Chance, zur Verständigung über Grenzen hinweg beizutragen. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seinen Verbrechen ist für ASF seit ihrer Gründung 1958 Motiv und Verpflichtung für konkretes Handeln in der Gegenwart. Neben Ländern wie Polen, Russland, Tschechien oder Belgien ist Israel Haupteinsatzort für die freiwilligen Friedensdienste.
Simon Salzmann kommt diese Ausrichtung der Organisation wie gerufen: „Ich habe mich viel mit Israel auseinandergesetzt“, sagt er. Mit der Geschichte dieses Landes, mit dem Holocaust, mit der aktuellen politischen Brisanz und den Konflikten, die den Nahen Osten zum Pulverfass machen. „Ich wollte nach dem Abitur ohnehin erst einmal ins Ausland“, erzählt Simon weiter. Und zwar nicht zum touristischen Weltenbummel, sondern um für das Leben zu lernen. Und danach soll es dann zum Studium der Literaturwissenschaften und Philosophie nach Leipzig gehen. Der noch 17-Jährige hat sein G8-Abitur am Kaiser-Heinrich-Gymnasium frisch in der Tasche. Doch mit dem Pauken ist es für ihn jetzt nicht vorbei: „Ich lerne Hebräisch und Arabisch, dagegen war Schule nichts“, lacht Simon. Diese beiden Sprachen sind wesentliche Voraussetzung dafür, dass er mit seinen künftigen Schützlingen überhaupt Kontakt aufnehmen kann.
Die Beduinenstadt Rahat im Süden Israels wird Simons Einsatzort sein. Dort soll er in so genannter „Offener Altenarbeit“ Hausbesuche machen, Gesprächspartner sein für alte Menschen, die nicht mehr aus dem Haus können, die kleinere Hilfestellungen brauchen. „Ich weiß, dass die Distanz einem Deutschen gegenüber überwunden werden muss“, ist Simon vor einer ersten Ablehnung gewappnet. „Das schreckt mich nicht, ich habe keine Angst“, betont der junge Mann.
Als zweite Aufgabe steht ihm in der Schule HaSchachar HaChadasch Englischunterricht bevor, den er arabischen und jüdischen Schülern erteilen soll. Für den Sprachbegabten Simon ist das kein Problem: Er spricht fließend Englisch, Französisch und Spanisch. Und nach einem vierwöchigen Crash-Kurs in Jerusalem werden auch seine Sprachkenntnisse in Hebräisch und Arabisch weiter vertieft.
Ausruhen nach dem Abistress steht für Simon jedenfalls nicht auf dem Programm. Bevor es nach Israel geht, absolviert er ein Praktikum in einem Bamberger Altenheim. Auch eine Fahrt ins ehemalige Konzentrationslager Theresienstadt ist geplant. Erst im vergangenen Jahr war Simon mit einigen Mitschülern und seiner Geschichtslehrerin in Auschwitz. Diese Tour mit dem „Zug der Erinnerung“ hat sich ihm eingegraben. Und sensibel gemacht für die künftigen Begegnungen mit Überlebenden der Schoa.
Simon möchte seine Erfahrungen in Israel mit anderen Bambergern teilen. Wie es für einen Freiwilligendienst der ASF üblich ist, sucht er Paten, die ihn unterstützen. Für seinen Einsatz in Israel muss er einen finanziellen Eigenanteil aufbringen: „Es wäre schön, 15 Paten zu finden, die ein Jahr lang monatlich 12 Euro sponsern“, erklärt Simon. Im Gegenzug werde er regelmäßige Projektberichte schicken und nach seiner Rückkehr zu einem Patentreffen einladen.
Die ersten Paten hat er schon gewinnen können: seine Eltern natürlich und seine beiden Geschwister.
(Artikel von Marion Krüger-Hundrup, erschienen im Fränkischen Tag vom 15.6., S.7)
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