Presseartikel: Auschwitz-Ausstellung: Ein Besuch in der Hölle

Auschwitz-Ausstellung: Ein Besuch in der Hölle

Bis zum 30. Mai stellen KHG-Schüler und Markus Raupach Texte und Bilder aus dem Konzentrationslager Auschwitz aus.

[8.5.2010] Geigenklänge hallen im Kreuzgang des Karmelitenklosters wider. Eine Schülerin des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums spielt das Stück „S’brennt, Brüder, s’brennt“. Die Stimmung des Liedes passt zu den bedrückenden Fotos, die im Kreuzgang des Klosters seit dem gestrigen Freitag ausgestellt werden. An einem Stacheldrahtzaun hängen in zwei Reihen Schwarzweiß-Fotos aus dem Konzentrationslager Auschwitz, flankiert von Tafeln mit weiteren Bildern und Texten.

Die Ausstellung ist das Ergebnis einer Exkursion, die fünf Schüler der elften Klassen des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums mit ihrer Lehrerin Christa Horn und Markus Raupach, einem Ehemaligen des KHG, im April unternommen haben. Die Reise kam im Anschluss an das Projekt „Zug der Erinnerung“ zustande, bei dem an deportierte Juden aus ganz Europa erinnert wurde. Aus jenen deutschen Städten, in denen der Zug Halt gemacht hatte, wurden nun einige Schüler zu einer Reise in das KZ Auschwitz eingeladen.

Die Unkosten für diese „Fahrt gegen das Vergessen“ übernahm die Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg, die sich im Gedenken an Widerstandskämpfer für mehr Zivilcourage und den Kampf gegen Rechtsextremismus einsetzt. Vorsitzender Nikolai Czugonow-Schmitt dankte in seiner Rede den Schülern, dass sie sich diesen Erinnerungen und Erfahrungen ausgesetzt haben. Er betonte, dass es junge Menschen seien, die durch solches Engagement zur Versöhnung beitragen. Denn mit dieser Fahrt ist auch ein Auftrag verbunden. Dieser Auftrag ist es, Geschichte weiterzutragen, zu mahnen und zu erinnern. Ein Schritt in diese Richtung soll diese Ausstellung sein.

Beim Betrachten der Bilder taucht die Frage auf, wie das Geschehene möglich war. Auch die fünf Schüler des KHG fragten sich immer wieder, wie Menschen dies einander antun konnten. Trotz wochenlanger Vorbereitung blieben die Erwartungen hinter der Realität weit zurück. Die Eindrücke beschreibt ein Schüler als „Chaos im Kopf“, eine andere Schülerin war froh, dass sie dies mit der Gruppe teilen konnte. Vor allem die Gespräche mit Zeitzeuge Josef Aron waren für die Jugendlichen noch mal „auf einer ganz anderen Stufe“ und gingen ihnen sehr nahe.

Auch Arieh Rudolph von der Israelitischen Kultusgemeinde betonte, dass es wichtig sei, die Erinnerung vor allem durch die verbleibenden Zeitzeugen lebendig zu halten. Die individuelle Beschäftigung mit den Gräueltaten in Auschwitz, die direkte Konfrontation mit dem Leid der Überlebenden, sei nach 65 Jahren immer seltener möglich. Umso wichtiger sei„die intensive Beschäftigung mit dem Grauen dieser Zeit“, sagte Bürgermeister Werner Hipelius.

Gemeinsam mit allen Beteiligten hofft er, dass viele Besucher in die Ausstellung gehen und sich mit der Frage auseinandersetzen, wie das möglich war, damit es eine Hölle wie Auschwitz nie mehr geben wird.


(Artikel von Marina Novellino, erschienen im Fränkischen Tag vom 8.5.2010; © Foto: Barbara Herbst)





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