

Die Schüler und Schülerinnen des Bamberger Kaiser-Heinrich-Gymnasiums nutzen die Chance, Geschichte hautnah zu erleben. Und ein Zeichen gegen Rechts zu setzen: „Es ist erschreckend, dass immer noch Leute den Holocaust leugnen“, meint Simon und führt im gleichen Atemzug die NPD an, die „wieder in Bamberg tagen will“. Christa Horn greift seine Worte auf: „Es ist wichtig, dass sich junge Menschen mit dem Thema beschäftigen und mit eigenen Augen das Vernichtungslager sehen“, erklärt die Geschichtsfachbetreuerin. Nur wer es selbst gesehen habe, könne den Leugnern etwas entgegensetzen, fügt sie hinzu. So sei es in ihrer Schule eine Selbstverständlichkeit, Klassenfahrten zu Stätten wie Flossenbürg oder Dachau zu organisieren.
Christa Horn begleitet die fünf Gymnasiasten auch nach Auschwitz. Es sei wichtig, dass ein Erwachsener mitfährt: „Die Jugendlichen brauchen dort jemanden zum Reden.“ Edda beispielsweise ist sich jetzt schon sicher, dass „ich nicht alles an mich heranlassen und verarbeiten kann“.
Seit Wochen bereiten sich die fünf Gymnasiasten mit Christa Horn auf diese Fahrt gegen das Vergessen vor. Sie durchforsten Archive, verschlingen Zeitzeugenberichte und Biografien, dringen immer tiefer in dieses dunkle Kapitel deutscher Vergangenheit ein. Gezielt erfüllen sie eine Aufgabe, die ihnen der Verein „Zug der Erinnerung“ aufgetragen hat: Die Schüler erforschen die Schicksale jüdischer Kinder und Jugendlicher, die in die Konzentrationslager deportiert wurden. Stellvertretend für die unzähligen Leidensgefährten konzentrieren sich die Fünf auf die 1928 geborene Jüdin Helga Walter, die am 27. November 1941 vom Bamberger Sammelpunkt „Weiße Taube“ zum Bahnhof verfrachtet wurde. Ihre Spur verliert sich im März 1942 im KZ Riga.
Auch andere Schüler des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums hätten sich gern der Reisegruppe angeschlossen. Doch nur fünf Plätze konnten vergeben werden. Rund 100 Schüler und Begleitpersonen aus ganz Deutschland fahren via Berlin mit dem „Zug der Erinnerung“ nach Auschwitz. Seit zwei Jahren tourt dieser historische Zug durch die früheren deutschen Deportationsbahnhöfe. Auch in Bamberg machte er im Mai 2009 Station. Der Zug besteht aus mehreren Waggons, in denen die Geschichte der Deportation der europäischen Juden in beispielhaften Biografien nacherzählt wird. Über Tausende Kilometer verschleppten die SS, das Reichsverkehrsministerium und die Deutsche Reichsbahn allein über eine Million Kinder und Jugendliche.
Die Bahnfahrt von Berlin nach Auschwitz in Polen dauert etwa zehn Stunden. Dort erwarten die Schüler geführte Besichtigungen im ehemaligen Stammlager und in der Dauerausstellung der Gedenkstätte. Sie werden das jüdische Bildungszentrum besuchen und sich mit ehemaligen Auschwitz-Häftlingen treffen. Und planen, wie sie mit dem Gehörten und Erlebten an ihren Heimatorten umgehen.
Für die fünf Bamberger Schüler steht schon fest, dass sie die „Kulturnacht“ ihres Gymnasiums am 23. April dazu nutzen werden, den Besuchern einen Erfahrungsbericht zu geben. Und sich auf ihre Weise dafür erkenntlich zu zeigen, dass ihre Reise gesponsert wurde: Die Willy-Aron-Gesellschaft hat die Kosten für die einwöchige Tour übernommen, nachdem sie schon für den Stopp des „Zuges der Erinnerung“ in Bamberg gesorgt hatte. Als Dankeschön für das Sponsern soll in der „Kulturnacht“ für einen neuen Stolperstein gesammelt werden. Die Willy-Aron-Gesellschaft steht ja in Bamberg für diese Stolperstein-Aktion, mit der an ehemalige jüdische Mitbewohner erinnert wird.
Vorsitzender Nikolai Czugunow-Schmitt überreichte dem stellvertretenden Direktor des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums, Eugen Ullmann, schon einmal einen Umschlag mit der Geldsumme für die Auschwitz-Fahrt. „Diese Reise bringt Praxis in die Theorie des Unterrichts“, erklärt Ullmann. Und sie führe mit der Lebenswirklichkeit der Schüler zusammen.
Artikel und Foto von Marion Krüger-Hundrup, erschienen im Fränkischen Tag vom 10.4.2010, S. 11
Satzung der Willy-Aron-Gesellschaft
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Beitrittserklärung
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