

Besonders nachhaltig war für die fünf Gymnasiasten aber die Begegnung mit dem Zeitzeugen Josef Aron (75), einem Überlebenden des Holocaust. „Wie kann es möglich sein, dass er nach allem so gütig und herzensgut zu uns war?“, fragt Bettina fast gequält. Josef Aron war nach Auschwitz gekommen, um Abschied zu nehmen von seiner Mutter, die 1942 mit seinen neun Geschwistern dort umgebracht wurde. Er selbst kam nach der Trennung von seiner Familie in das KZ Bergen-Belsen. Dort musste der sechsjährige Josef schwer arbeiten, bis ihn ein SS-Mann bei einer Selektion aussuchte, mit anderen Jungen in ein Haus brachte und täglich misshandelte und vergewaltigte. 1945 befreiten ihn die Engländer. Josef Aron gab den Jugendlichen den Auftrag mit, diese Zeit nicht zu vergessen.
Die Geschichtsfachbetreuerin Christa Horn hatte ihre fünf Schüler und Schülerinnen auf diese Fahrt mit dem „Zug der Erinnerung“ begleitet. 120 weitere Jugendliche und zwanzig pädagogische Betreuer aus ganz Deutschland waren mit diesem Zug nach Polen gefahren. Die Willy Aron-Gesellschaft hatte der Bamberger Gruppe die Reise gesponsert. Der Vorsitzende Nikolai Czugunow-Schmitt freut sich darüber, dass dies gut angelegtes Geld ist. Denn die Fünf sind nach dieser Tour in das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte verändert wiedergekommen. „Wir wollen als Botschafter gegen das Vergessen agieren“, betont Josh. Sie wollen der Öffentlichkeit „eine Ahnung davon vermitteln, was geschehen ist“. Noch seien die Schockmomente, die emotionale Achterbahnfahrt nicht ganz überwunden. „Doch mit der Zeit kann ich besser darüber reden“, meint Edda. Sie habe jetzt das Wissen, was rechter Terror bedeute. Und auch Josh ist sich sicher, dass er nun „mehr Ohr hat für rechte Sprüche“.
Nikolai Czugunow-Schmitt zeigt den Zivilcourage-Preis.
© Foto/FT mkh
Zur
Vorbereitung ihrer Reise hatten sich die fünf Schüler und Schülerinnen
intensiv mit den Schicksalen jüdischer Kinder und Jugendlicher
beschäftigt. Stellvertretend für die unzähligen Leidensgefährten
konzentrierten sich die Fünf auf die 1928 geborene Jüdin Helga Walter,
die am 27. November 1941 vom Bamberger Sammelpunkt „Weiße Taube“ zum
Bahnhof verfrachtet. Ihre Spur verliert sich im März 1942 eben im KZ
Riga.
Die fünf
Schüler und Schülerinnen des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums sind gern
bereit, auch in anderen Schulen von ihren Erlebnissen in Wort und Bild
zu berichten. Interessenten können sich an Studienrätin Dr. Christa Horn
wenden: Kaiser-Heinrich-Gymnasium, Altenburgerstr. 16, 96049 Bamberg,
Telefon 0951 / 952020-0, Fax 0951 / 95202050.
(Artikel von Marion Krüger-Hundrup, erschienen im Fränkischen Tag vom 28.7.2010, S. 11)
Satzung der Willy-Aron-Gesellschaft
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Beitrittserklärung
(pdf-Datei 0,93 kb)