
Das war die Lebensdevise des
evangelischen Pfarrers Karl Steinbauer (Siehe Foto; Quelle: www.pfarrbruderschaft.de
. Dieser ließ sich weder durch die
massivsten Drohungen, noch durch Verhaftungen und KZ-Gefangenschaft während der
NS-Diktatur davon abbringen, für seinen Glauben öffentlich einzustehen. Darüber berichtete Pfarrer Johannes Rehm aus Nürnberg bei
einer Veranstaltung der Willy-Aron-Gesellschaft in Bamberg, die Karl Steinbauers Widerstand gegen den
Nationalsozialismus gewidmet war.
Rehm hatte als junger Theologiestudent in
Erlangen Karl Steinbauer noch
persönlich kennengelernt. Er veröffentlichte 1999 ein Buch über Steinbauer und setzte sich als Studentenpfarrer in
Bamberg dafür ein, dass das
Zentrum der Evangelischen Studierenden
Gemeinde am Markusplatz 1 zum „Karl-Steinbauer-Haus” umbenannt wurde.
Johannes Rehm berichtete
in seinem Vortrag, dass auch die
Vorhaltungen von Steinbauers
evangelischen Vorgesetzten, er müsse mit „mehr Kompromissbereitschaft” auf
die Forderungen der nationalsozialistischen Ideologie eingehen, bei dem jungen standhaften Vikar nicht wirkten, der damals eine Pfarrstelle in Penzberg in
Oberbayern leiten durfte. Im Gegenteil:
Steinbauer schloss sich der „Bekennenden Evangelischen Kirche” an, im
Gegensatz zu beträchtlichen Teilen
der damaligen Evangelischen Kirche in
Deutschland, die als „Deutsche Christen” firmierten und sich von Hitler zum
Instrument der NS-Kirchenpolitik machen ließen.
Karl Steinbauer wurde dabei von dem Gemeindevorstand seiner Kirche in Penzberg, aber auch von der Bevölkerung Penzbergs tatkräftig unterstützt, welche durch eine starke Arbeitertradition mit sozialdemokratischer Ausrichtung bestimmt war.
Steinbauer verweigerte den Hitlergruß, leistete nicht den Treueeid auf Adolf Hitler, ließ seine Kirchengebäude nicht mit der Hakenkreuzfahne beflaggen oder die Glocken läuten, wenn die NS-Obrigkeit das anordnete. Er legte auch keinen Ariernachweis vor, als das von ihm verlangt wurde. Das begründete er damit, dass Jesus Christus und der Apostel Paulus als Juden das auch nicht hätten machen können.
Endlose Schikanen der NS-Behörden, Denuntiationen und Verhaftungen, Aufenthalte in verschiedenen Gefängnissen, 1938 auch in Bamberg im Gerichtsgefängnis, Rechtfertigungsbesuche und Rechtfertigungsbriefe an seine Vorgesetzten: all das konnte seinen Willen nicht brechen, die christlichen Lehren so zu predigen, wie er sie in der Bibel und im Evangelium vorfand. Beispielhafte Aussagen, die überliefert sind, wie : „Man braucht mir nicht mit dem KZ drohen, viel schlimmer ist das Jüngste Gericht”, oder „Am Jüngsten Tag wird auch Adolf Hitler, wie wir alle, auf den Knien vor unserem Herrgott stehen”, zeigen die Kühnheit und Zivilcourage, mit der Steinbauer bei seinen Vernehmungen antwortete.
1939 wurde er in das KZ Sachsenhausen eingeliefert und dann 1941 zum Dienst an der Front „begnadigt”. Schon acht Tage nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Lettland erfuhr Steinbauer am 30. Juni 1941 von der Vernichtung der Juden in diesem Gebiet durch die SS-Truppen und die Polizei. Nachdem eine große Kolonne von jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus der Stadt Dünaburg zum Gefängnis und dann zur Erschießung von den NS-Schergen getrieben worden war, fand Steinbauer an der Straße die beschädigten Teile einer Thorarolle, die er an sich nahm, unter seiner Uniform versteckte und unentdeckt nach Deutschland schickte.
In seinem Vermächtnis bestimmte er, das diese verletzte Thorarolle zusammen mit seinen Berichten über die Vernichtung der Juden in den besetzten Gebieten nach seinem Tod in einem Evangelischen Priesterseminar aufbewahrt werden sollte, damit all dies eine Mahnung an das furchtbare Geschehen bleiben sollte. Im Bamberger Karl-Steinbauer-Haus hat diese Thorarolle einen Ehrenplatz bekommen: Sie erinnert und mahnt an das Geschehene.
Vorstellung des Projekts „Stolpersteine” von Günter Demnig, Köln
Artikel erschienen im „Fränkischen Tag” Bamberg (pdf-Datei 1,72 kb)