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Sitzungen: 30. November 2010: Vortrag über Karl Steinbauer

30. November 2010: Vortrag über Karl Steinbauer

„Dem christlichen Gott mehr gehorchen als dem NS-Staat“

Das war die Lebensdevise des evangelischen Pfarrers Karl Steinbauer (Siehe Foto; Quelle: www.pfarrbruderschaft.de . Dieser ließ sich weder durch die massivsten Drohungen, noch durch Verhaftungen und KZ-Gefangenschaft während der NS-Diktatur davon abbringen, für seinen Glauben öffentlich einzustehen. Darüber berichtete Pfarrer Johannes Rehm aus Nürnberg bei einer Veranstaltung der Willy-Aron-Gesellschaft in Bamberg, die Karl Steinbauers Widerstand gegen den Nationalsozialismus gewidmet war.

Rehm hatte als junger Theologiestudent in Erlangen Karl Steinbauer noch persönlich kennengelernt. Er veröffentlichte 1999 ein Buch über Steinbauer und setzte sich als Studentenpfarrer in Bamberg dafür ein, dass das Zentrum der Evangelischen Studierenden Gemeinde am Markusplatz 1 zum „Karl-Steinbauer-Haus” umbenannt wurde.

Johannes Rehm berichtete in seinem Vortrag, dass auch die Vorhaltungen von Steinbauers evangelischen Vorgesetzten, er müsse mit „mehr Kompromissbereitschaft” auf die Forderungen der nationalsozialistischen Ideologie eingehen, bei dem jungen standhaften Vikar nicht wirkten, der damals eine Pfarrstelle in Penzberg in Oberbayern leiten durfte. Im Gegenteil: Steinbauer schloss sich der „Bekennenden Evangelischen Kirche” an, im Gegensatz zu beträchtlichen Teilen der damaligen Evangelischen Kirche in Deutschland, die als „Deutsche Christen” firmierten und sich von Hitler zum Instrument der NS-Kirchenpolitik machen ließen.

Karl Steinbauer wurde dabei von dem Gemeindevorstand seiner Kirche in Penzberg, aber auch von der Bevölkerung Penzbergs tatkräftig unterstützt, welche durch eine starke Arbeitertradition mit sozialdemokratischer Ausrichtung bestimmt war.

Steinbauers Widerstand gegen die Nationalsozialisten

Steinbauer verweigerte den Hitlergruß, leistete nicht den Treueeid auf Adolf Hitler, ließ seine Kirchengebäude nicht mit der Hakenkreuzfahne beflaggen oder die Glocken läuten, wenn die NS-Obrigkeit das anordnete. Er legte auch keinen Ariernachweis vor, als das von ihm verlangt wurde. Das begründete er damit, dass Jesus Christus und der Apostel Paulus als Juden das auch nicht hätten machen können.

Endlose Schikanen der NS-Behörden, Denuntiationen und Verhaftungen, Aufenthalte in verschiedenen Gefängnissen, 1938 auch in Bamberg im Gerichtsgefängnis, Rechtfertigungsbesuche und Rechtfertigungsbriefe an seine Vorgesetzten: all das konnte seinen Willen nicht brechen, die christlichen Lehren so zu predigen, wie er sie in der Bibel und im Evangelium vorfand. Beispielhafte Aussagen, die überliefert sind, wie : „Man braucht mir nicht mit dem KZ drohen, viel schlimmer ist das Jüngste Gericht”, oder „Am Jüngsten Tag wird auch Adolf Hitler, wie wir alle, auf den Knien vor unserem Herrgott stehen”, zeigen die Kühnheit und Zivilcourage, mit der Steinbauer bei seinen Vernehmungen antwortete.

1939 wurde er in das KZ Sachsenhausen eingeliefert und dann 1941 zum Dienst an der Front „begnadigt”. Schon acht Tage nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Lettland erfuhr Steinbauer am 30. Juni 1941 von der Vernichtung der Juden in diesem Gebiet durch die SS-Truppen und die Polizei. Nachdem eine große Kolonne von jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus der Stadt Dünaburg zum Gefängnis und dann zur Erschießung von den NS-Schergen getrieben worden war, fand Steinbauer an der Straße die beschädigten Teile einer Thorarolle, die er an sich nahm, unter seiner Uniform versteckte und unentdeckt nach Deutschland schickte.

In seinem Vermächtnis bestimmte er, das diese verletzte Thorarolle zusammen mit seinen Berichten über die Vernichtung der Juden in den besetzten Gebieten nach seinem Tod in einem Evangelischen Priesterseminar aufbewahrt werden sollte, damit all dies eine Mahnung an das furchtbare Geschehen bleiben sollte. Im Bamberger Karl-Steinbauer-Haus hat diese Thorarolle einen Ehrenplatz bekommen: Sie erinnert und mahnt an das Geschehene.


Bericht und Artikel: NCS
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Fotos: Mechthildis Bocksch


Fotos


Referent Prof. Rehm (li.) und WAG-Vorsitzender Czugunow-Schmitt (re.) im Gespräch mit Elisabeth Giesen, der Tochter Karl Steinbauers






Elisabeth Giesen, der Tochter Karl Steinbauers mit Dr. Czugunow-Schmitt





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